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Bruck:Erfolge und Rückschläge

Das geplante Gewerbegebiet in Taglaching beschäftigt die Gemeinde Bruck praktisch das ganze Jahr über

Die kleinste Landkreisgemeinde ist oft und groß in den Nachrichten: Erst votieren die Brucker im Januar mit deutlicher Mehrheit für den Bau eines Gewerbegebiets im Taglachinger Tal. Im Sommer springt ein Großinvestor ab. Bruck muss notgedrungen - aber auch auf Druck der Regierung von Oberbayern - kleiner planen. Schließlich kommt die Option einer Flüchtlingsunterkunft ins Spiel.

Als am 25. Januar die Stimmzettel ausgezählt sind, kann Bürgermeister Josef Schwäbl (CSU) jubeln. Der Ratsentscheid um das mit von ihm initiierte Gewerbegebiet Brucker für das Vorhaben wird mit 437 von 680 gültigen Stimmen angenommen. Mit beinahe ebenso großer Mehrheit fällt das Bürgerbegehren gegen das Gewerbegebiet durch. 398 Brucker sprechen sich gegen einen Stopp der Gewerbeplanung aus, lediglich 276 sind dafür.

Die Brucker votieren damit gegen eine deutliche Bewertung der Regierung von Oberbayern. Die Behörde sieht die Pläne im Widerspruch zum bayerischen Landesentwicklungsprogramm und hält sie daher für nicht genehmigungsfähig. Anstatt die Landschaft zu zersiedeln, solle Bruck das neue Gewerbegebiet möglichst an bestehende Areale anschließen. Der Gemeinderat ist optimistisch, sich mit der Behörde schon noch zu einigen.

Stattdessen folgt ein Rückschlag. Ursprünglich will die Ickinger Spanntechnikfirma "Zero Clamp" ihren Standort ins neue Taglachinger Gewerbegebiet verlegen. Doch das Unternehmen zieht seine Pläne im Juli überraschend zurück. Proteste, Bürgerentscheid, Genehmigungsprozedere und eine mögliche Klage - der Investor braucht Planungssicherheit. Anfang Oktober zieht der Brucker Gemeinderat die planerische Notbremse. Er stellt das Bebauungsplanverfahren für das Projekt "Taglaching-Süd" ein.

Was sich wie ein Aus anhört, ist keines. Denn gleichzeitig startet das Gremium eine neue Planung im Taglachinger Tal - mit anderem Namen, etwas kleiner und näher am bestehenden Gewerbegebiet um das Betonwerk an der Grafinger Straße. Statt um vier Hektar soll es nur noch um drei Hektar gehen. Den fehlenden Hektar will Bruck an der Westseite abtrennen. Der Kern des neuen Areals verschiebt sich dadurch nach Osten in Richtung Betonwerk. Die Planung heißt nun nicht mehr "Taglaching-Süd", sondern "Erweiterung des bestehenden Gewerbegebiets Taglaching". Bruck erfüllt damit die Forderungen der Regierung von Oberbayern. Wer will, kann darin einen zweiten Rückschlag sehen.

Anfang Dezember dann tut sich für das Areal eine neue, zusätzliche Nutzmöglichkeit auf. "Die Gemeinde Bruck kann sich in dieser Situation nicht länger wegducken und nur zuschauen", sagt Bürgermeister Schwäbl. Gemeint ist die Flüchtlingssituation. "Nach reiflicher Überlegung" sei das Gewerbegebiets der "geeignetste Standort" für eine Containerunterkunft. Geht es nach dem Bürgermeister, soll die Gemeinde dem Landratsamt einen Teil der Fläche dem Landkreis auf drei Jahre zur Miete für eine Flüchtlingsunterkunft anzubieten. Ob sie die Fläche tatsächlich melden wird, zeigt sich in der Gemeinderatssitzung am 12. Januar.