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Bestattungskultur im Landkreis Ebersberg:Die letzte Ruhe in der Natur

Bestattungsgarten Poing

Im Poinger Bestattungsgarten blühen Blumen auf der Wiese. Kleine Gedenktafeln erinnern an die Verstorbenen.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Unter einem Baum mit Gedenktäfelchen oder anonym: Immer mehr Menschen im Landkreis Ebersberg entscheiden sich für alternative Bestattungsformen. Besonders in Poing ist die Nachfrage groß

Was mit dem Geist passiert, wenn jemand stirbt, dazu hat wohl jeder religiös und kulturell geprägte Mensch seine eigenen Vorstellungen. Doch auch für die Bestattung des Körpers gibt es zahlreiche Möglichkeiten und nicht immer bleibt danach eine sichtbare Erinnerung an den Verstorbenen am Ort der Bestattung zurück. Im Landkreis Ebersberg bieten einige Gemeinden die Möglichkeit einer anonymen oder teilanonymen Bestattung. Während in der Gemeinde Poing eine starke Nachfrage herrscht, hält sie sich in anderen Gemeinden moderat.

In den sogenannten Bestattungsgärten werden grundsätzlich nur Urnen beerdigt, die Verstorbenen oder Angehörigen haben sich also für eine Feuerbestattung entschieden. Anders als bei gewöhnlichen Urnenbeisetzungen werden die biologisch abbaubaren Behälter mit der Asche des Verstorbenen dann jedoch nicht in einer Wand mit Grabplatte untergebracht, sondern in der Erde vergraben. Im Landkreis gibt es die Möglichkeiten zu solchen Bestattungen in Kirchseeon, Parsdorf, Vaterstetten, Poing, Ebersberg und auf dem Grafinger Waldfriedhof, wie die Bestatterin Angela Imhoff aus Grafing erklärt. Die Angebote an Gedenkmöglichkeiten unterscheiden sich dabei je nach Gemeinde, bei manchen der Friedhofswiesen dürfen die Angehörigen Gedenktäfelchen mit dem Namen des Verstorbenen anbringen, vielleicht auch ein Datum, bei anderen nicht.

Imhoff rät jedoch zumindest zu einem Täfelchen als Anhaltspunkt, einer teilanonymen Bestattung also: "Ich finde das hilfreich, denn man geht nicht einfach so. Oftmals werden auch Grabstellen von entfernten Angehörigen aufgesucht, und wie sollten die sich dann zurechtfinden?" Sie bietet den Angehörigen außerdem immer die Möglichkeit, sich in einer Trauerfeier vom Verstorbenen zu verabschieden, vor allem, wenn die tatsächliche Beisetzung der Urne ohne Angehörige vollzogen wird.

Seit vier Jahren kann man sich in Ebersberg "einen Platz am Baum buchen". Auf die Frage, ob das besonders von Angehörigen oder den Verstorbenen selber gewünscht sei, antwortet Erik Ipsen von der Stadt Ebersberg: "Das ist fröhlich gemischt." Ab und zu komme schon in Testamenten der Wunsch nach einem anonymen Begräbnis vor. Ganz anonym sei das in Ebersberg aber nie - zumindest die Stadt wisse immer, welche Urne wo vergraben wird. Wer sich doch für eine Erinnerung an den Verstorbenen entscheidet, kann hier eine Steinplatte fertigen lassen. Die Plätze sind kreisförmig am Fuße des Baumes eingelassen, zwischen den Täfelchen sind immer wieder Lücken.

Warum sich jemand für oder gegen ein Täfelchen entscheide, frage man nicht, erklärt Ipsen, auf dem neuen Friedhof beispielsweise gebe es unter den 20 Bestattungsbäumen für 122 der 174 Verstorbenen Täfelchen. Für Sabine Koepp von der Friedhofsverwaltung in Kirchseeon steckt bei vielen hinter der Entscheidung für eine anonyme Urnenbestattung der Wunsch "niemandem zur Last fallen zu wollen". Auch Thomas Stark von der Gemeinde Poing sieht diesen Wunsch hinter den Anfragen, die in seiner Gemeinde stark zunehmen: "Manche davon haben überhaupt keine Angehörigen oder diese sind nicht in der Lage, sich um die Pflege eines Grabes zu kümmern."

In Poing wurden seit der Eröffnung des 1000 Quadratmeter großen Bestattungsgartens im Sommer 2018 bereits 23 Menschen beigesetzt, in 15 Fällen wurde dabei der Name auf einer Gedenktafel angebracht.

Bestatterin Imhoff sieht in der Grabpflege aber auch eine Möglichkeit der Trauerbewältigung, die den Angehörigen durch eine anonyme Bestattung genommen werden könnte. Sie betont dennoch, dass die Trauer von jedem unterschiedlich wahrgenommen werde: "Auch hier gibt es wieder ganz individuelle Auffassungen."

Worüber sich wohl viele bislang keine Gedanken gemacht haben: Auf vielen der anonymen Urnenwiesen werden auch sogenannte Sozialbestattungen vorgenommen. Die Urnen mit der Asche von Menschen, die ohne soziale Kontakte gestorben sind, werden beispielsweise in Kirchseeon, Ebersberg und Markt Schwaben in die Wiesen und unter Bäumen beigesetzt.

Seit 2015 fanden auf der Kirchseeoner Bestattungswiese etwa 40 Menschen ihre letzte Ruhestätte. Neben den neu Verstorbenen werden hier außerdem die Urnen aus abgelaufenen Urnennischen untergebracht. Es gibt keine Täfelchen mit Namen und Daten, eine kleine Gedenktafel und ein Steinbänkchen laden ein, zur Ruhe zu kommen. Und es gibt noch zwei Besonderheiten in der Gemeinde Kirchseeon: Normalerweise dürften auf den örtlichen Friedhöfen nur Personen bestattet werden, die bis zu ihrem Tod im Ort gewohnt haben, oder deren Angehörige im Ort lebten, erklärt Koepp. Aktuell könne die anonyme Beerdigung in Kirchseeon jedoch per Ausnahmegenehmigung auf Antrag auch ohne diese Voraussetzung gestattet werden. Zudem ist die anonyme Bestattung hier im Gegensatz zu anderen Friedhöfen im Landkreis tatsächlich eine kostengünstigere Variante. Für das Einsetzen der Urne mit einer Ruhefrist von zwölf Jahren zahlt man einmalig 269 Euro, die Beisetzung findet jedoch ohne die Angehörigen statt.