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Arzt an der Ebersberger Kreisklinik:Appell für Solidarität

Martin Mitterer war an Leukämie erkrankt, heute arbeitet der Arzt an der Ebersberger Kreisklinik.

(Foto: Privat)

Martin Mitterer ruft zu Stammzellenspende auf

Martin Mitterer hat es selbst durchgemacht. Vor neun Jahren litt er an Leukämie. Weil es für die Behandlung seiner lebensbedrohlichen Erkrankung keine Alternative gab, wurden ihm die Stammzellen eines damals unbekannten Spenders übertragen. Die Transplantation war erfolgreich, bereits neun Wochen danach durfte er die Klinik schon wieder verlassen.

Doch an das Gefühl der Isolation kann er sich noch sehr gut erinnern, wie er nun in einer Pressemitteilung der Stiftung Aktion Knochenmarkspende Bayern (AKB) berichtet: "Ich weiß, wie es den vielen Menschen derzeit geht, die sich wegen der Corona-Krise quasi eingesperrt fühlen. Das ist eine sehr harte Zeit. Ich war neun Wochen lang vollkommen isoliert, konnte nur ab und zu das Zimmer für eine halbe Stunde verlassen. Auch als ich wieder zu Hause war, hatte ich große Einschränkungen."

Heute ist Martin Mitterer verheiratet, hat zwei Kinder und geht mit Leidenschaft seinem Beruf als Arzt am Klinikum in Ebersberg nach. Sein Immunsystem ist inzwischen wieder so stabil, dass er sogar in diesen schwierigen Zeiten weiter im Krankenhaus arbeiten darf. Der geheilte Patient durfte seine Spenderin, eine gebürtige Kroatin, nach zwei Jahren kennenlernen. Er erinnert sich: "Als ich sie das erste Mal gesehen habe, waren wir uns gleich total verbunden. Ich war unglaublich dankbar. Sie hat mir das Leben gerettet, das kann man durch nichts aufwiegen! Wir haben immer noch Kontakt. Heute ist Marina, so heißt mein genetischer Zwilling, sogar die Taufpatin meines Sohnes."

Doch der Unfallchirurg sieht die derzeitigen Entwicklungen mit Sorge, wie es in der Pressemitteilung der AKB heißt. Auch in seiner Klinik häufen sich die Covid-19-Fälle von Tag zu Tag. "Unabhängig von Corona dürfen wir die Leukämiepatienten nicht vergessen. Viele sind dringend auf eine Stammzelltransplantation angewiesen. Sie müssen weiter behandelt werden, denn sonst läuft ihnen die Zeit davon." Martin Mitterer befürchtet, dass sich die Situation für viele Patienten, die an einer Erkrankung des blutbildenden Systems leiden, verschlimmern könnte, wenn die Anzahl der Spender zurückgeht. Typisierungsaktionen zur Gewinnung neuer Stammzellspender sind derzeit nicht durchführbar, um sowohl die Spender als auch die Aktionshelfer nicht einem Infektionsrisiko auszusetzen.

Deshalb appelliert er an alle, die gesund und zwischen 17 und 45 Jahre alt sind: "Nutzt die Zeit sinnvoll, die ihr ohnehin zu Hause verbringen müsst. Bestellt euch online ein Lebensretterset der Stiftung AKB und werdet so ganz einfach Stammzellspender." Das Set wird nach der online-Registrierung unter www.akb.de direkt nach Hause geschickt. Nach einem simplen Wangenabstrich werden die Wattetupfer portofrei wieder an die Stiftung AKB gesandt. Stammzellspender zu werden funktioniere also trotz Corona vollkommen gefahrlos und ohne Infektionsrisiko, so die AKB.

© SZ vom 31.03.2020 / SZ
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