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Die Bündische:Durch Tradition verbunden

Portrait Verbindungsstudentin,Lost Places, ifp-Projekt Semesterstart

In Verbindungsfarben: Nora Weiner im Café an der Uni, dem Treffpunkt der Selenia.

(Foto: Steffen Leiprecht)

Nora Weiner ist in Münchens ältester Damenverbindung

Wenn Nora Weiner bummelt, dann schlendert sie nicht durch die Einkaufspassagen. Bummeln ist für Weiner eine ganz andere Tradition. Mit ihren Bundesschwestern zieht sie von Verbindungshaus zu Verbindungshaus, trifft Gleichgesinnte, unterhält sich. Bummeln ist ein alter Brauch unter Deutschlands Studentenbünden. Und Nora Weiner ist Mitglied in Münchens ältester Damenverbindung, die es seit 2004 gibt.

Seit November 2016 ist die 23-Jährige nun bei der Selenia zu München. Ein Jahr später soll sie zum vollwertigen Mitglied, zum Mädel, zur Bundesschwester werden. Bis dahin ist sie Fux, wird in die Gepflogenheiten der Verbindung eingeführt. "Alle ein bis zwei Wochen treffe ich mich hier mit der Fuxmajora, also quasi meiner Lehrerin, und lerne alles zur Historie der Studentenverbindungen, den jeweiligen Erkennungszeichen und Bräuchen", sagt Weiner. Am Ende steht ein Test. Wer den besteht, darf Mädel bei Selenia werden.

Wenn die TU-Studentin von ihrer Verbindung erzählt, dann redet sie langsam und überlegt. Ihre Mimik ist schlicht, ihre Gestik verhalten, aber bewusst. Die Szene ist vorsichtig, man redet ungern mit der Presse, denn es gibt viele Vorurteile in der Öffentlichkeit. Saufen, strenge Hierarchien, veraltete Konventionen - so was. "Altbacken ist bei Selenia gar nichts", sagt die Studentin des Chemie-Ingenieurswesens. Sie erlebt ihre Verbindung eher als einen demokratischen Verband. Einmal im Monat halten sie Mitgliederversammlungen ab, den so genannten Convent. Jedes Mädel hat hier eine Stimme und was die Mehrheit will, das wird umgesetzt. Feiern, Vorträge oder Tanzabende zum Beispiel.

Mit Verbindungen in Berührung gekommen ist die gebürtige Mannheimerin zunächst durch einen Freund. Sie hatte ihn zu einem Ball einer Verbindung begleitet, knüpfte Kontakte. Drei Jahre später stieg sie bei der Selenia ein. Hier ist sie nun angekommen, hat ihre zweite Familie gefunden. Zeit für Prüfungen und andere Dinge hat sie trotzdem. Weiner ist zum Beispiel politisch aktiv, in der CSU und dem Asta ihrer Universität. Die Selenia ist politisch offen, auf keine Parteimeinung festgelegt - diskutiert wird aber gerne. Die Verbindung begreift Weiner als eines von ihren Hobbys. Ein Hobby mit Lebensbindung.

Diese Seite entstand in Kooperation mit der Journalistenschule ifp (Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses), alle Autoren sind Stipendiaten des Studienjahrgangs 2017.

© SZ vom 22.04.2017
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