Der neue Kunstpark Ost Ein sauberer Spaß

Weniger Besucher, weniger Lärm, weniger Müll: Die neuen KPO-Manager wollen eine Publikum, das Wert auf gepflegtes Ausgehen statt derbes Abfeiern legt.

Von Jochen Temsch

Dies ist nicht der Ort, das Rauchen aufzuhören. Scharfer Dunst wabert durch den kleinen Konferenzraum im Erdgeschoss des Otec-Gebäudes an der Friedenstraße. Hier residieren die neuen Herren des Kunstpark Ost. Am liebsten nippen sie gerade an Energy-Drinks.

Sauber, aufgeräumt und ruhig. So könnte es schon bald auf dem KPO-Gelände aussehen. Nur Mülltonnen werden noch lose herumstehen.

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Dies ist nicht die Zeit, das Herz zu schonen. Am 31. Januar endet die Ära des obersten Parkverwalters Wolfgang Nöth, der mit den erfolgreichsten Clubs auf das benachbarte Optimol-Gelände zieht. Nöths Nachfolger wollen jetzt so schnell wie möglich Unterschriften unter den Verträgen mit den verbleibenden Mietern sehen.

Es ist die Zeit der vielen Besuche im stickigen Konferenzraum. Auf der einen Seite des Tisches sitzen dann die Wirte. Auf der anderen Seite René Opitz und Ani-Ruth Lugani, die Geschäftsführer der Narotec KG, der Generalmieterin des ehemaligen Pfanni-Geländes, das der Otec und damit Konsul Otto Eckart gehört.

Angst vor Schmuddel-Image

In Sachen Kunstpark lässt sich der Erbe des Knödel-Imperiums von seinem Sohn Werner Eckart vertreten. In dieser Funktion zieht es den jungen Unternehmer nicht gerade an die Öffentlichkeit. Die vornehme Zurückhaltung mag mit der Angst zusammenhängen, dass etwas von dem hässlichen Wort haften bleiben könnte, das die Narotec-Manager gerne in einem Atemzug mit "Kunstpark" sagen: "Schmuddel-Image". Aber damit soll sowieso bald Schluss sein.

"Reduziert und kultiviert", so Narotecs Eigenwerbe-Slogan, soll der neue, dann auch umgetaufte Kunstpark sein. Damit kommt das Unternehmen den Forderungen der Lokalst-Politik gefügig nach, die sich vor allem zum Fürsprecher genervter Anwohner machte. Offenbar wollen Otec und Narotec jegliche Reibung vermeiden, bis es im Jahr 2006 an die endgültige bauliche Verwertung des Filet-Grundstücks mit Wohnungen und Bürokomplexen geht.

Folie voller Ausrufezeichen

Der Weiterbetrieb des Kunstparks ist bis dahin nur eine Zwischenlösung. Ihre Vorstellung vom künftigen Nachtleben präsentierten Opitz und Lugani vor kurzem dem Bezirksausschuss Berg am Laim - eine Folie voller Ausrufezeichen: "Weniger Gaststätten! Weniger Besucher! Weniger Lärm! Weniger Müll!"

Auf die prompte Beseitigung von Besucher-Abfall ist die Narotec besonders stolz. Fachkräfte sollen sogar schon während der Veranstaltungen für Reinheit sorgen. Außerdem soll es "etwas noch nie Dagewesenes" geben, wie die Geschäftsleute scherzen: "Wir stellen Abfallbehälter auf."

Der Flohmarkt kommt weg

Eine weitere wichtige Säule der Befriedungs-Strategie ist die Abschaffung des Flohmarktes, intern bisweilen "Klein-Istanbul" genannt. Außerdem wird die Spaß-Zone mit einer Art antifußgängerischem Schutzwall gesichert. Untertags überwachen Pförtner die geschlossene Schranke. "Keine unbekannten Aktivitäten", lautet die Losung auf dem Positionspapier der Narotec. So ein heimlicher Flohmarkt, sagen die Geschäftsführer, niste sich schneller wieder ein als man denkt.

Hinein fahren dürfen aber zum Beispiel die Getränkelaster. Ihre Fracht wird in Zukunft zentral in der Halle gelagert, die einst als düsterer Rockschuppen Doom bekannt war. Der Durchgang zum Piusplatz wird geschlossen, damit es nie wieder Übergriffe von enthemmten Partygängern bis hin zu "Vermehrungsversuchen" gibt, wie es bei der Narotec heißt.

Überhaupt ist Ruhe nach Sauberkeit die oberste Pflicht. Deshalb fallen auch das Heizkraftwerk und der Natraj Temple weg, Tanzböden, auf denen das Leben besonders nah an der wenig begeisterten Nachbarschaft tobte. Insgesamt wird ein Drittel aller Gaststätten geschlossen.

Kein Ton soll nach außen dringen

Verbleibende Clubs, beziehungsweise "Lärmverursacher" bekommen harte Auflagen. Matador und Cohibar müssen ihre Glasfronten zumauern und ihre Entlüftungen mit Schallschutzfiltern versehen. Das Ultraschall bekommt eine gemauerte Schleuse verpasst. Außenbeschallung ist sowieso verboten. Die Narotec will ihre Spaß-Durchführungsverordnung streng handhaben. Wirte, die trotzdem aufdrehen, bekommen Abmahnungen und fliegen raus.

Manche Kritiker des Massenbetriebs haben schon Nöths Kunstpark als "Party-Ghetto" geschmäht. Diese Worthülse könnte durch die jetzt geplante "Reduzierung und Kultivierung" ganz neue Inhalte bekommen. Maroder Charme und kreatives Chaos des Kunstparks sind immerhin Teil des Erfolgskonzeptes gewesen, das jedes Wochenende 20.000 Besucher angelockt hat.

Neue Zielgruppe: gepflegte, ältere Menschen

Aber darauf sind die Manager der Narotec nicht erpicht, die sich mit Anzug und Krawatte schon rein optisch vom Grunge-Stil ihres Vorgängers Nöth abheben. Sie wollen lieber, dass der Kunstpark in Zukunft auch ältere Menschen anspricht - also zum Beispiel die um Mitte Dreißig - die Wert auf gepflegtes Ausgehen statt derbes Abfeiern legen. Was wiederum mehr Premium-Sponsoren als Geschäftspartner anlocken könnte, so das Kalkül.

Die Wirte murren nicht laut. Laut Narotec machen drei Viertel der bisherigen Mieter weiter. Den Stil ihrer Clubs bestimmen sie nach wie vor selbst. In Richtung Nöth, der Otto Eckart vor kurzem noch "Sandkastenrocker-Mentalität" unterstellte, gibt es versöhnliche Gesten. Gute Nachbarschaft sei bei der Narotec erwünscht. Von einem ungehinderten Strom der Nachtschwärmer jedenfalls würden beide Ausgeh-Anwesen profitieren. Es ist weder Ort noch Zeit, das Geldverdienen zu lassen.