Denkmal für verfolgte Homosexuelle Der Entwurf hat einen "Heute-Bezug"

Es gibt aber noch einen anderen Grund, ein separates Mahnmal für verfolgte Schwule und Lesben zu schaffen: die Gegenwart. Der Brandenburg-Entwurf mit seinen vielfarbigen Flächen habe einen eindeutigen "Heute-Bezug", erklärt Becker. Den gesellschaftlichen "Roll-back" in vielen Staaten Europas bekämen gerade auch Homosexuelle zu spüren. Dagegen wolle München ein Zeichen setzen. Tatsächlich war bereits in der Ausschreibung für den Gestaltungswettbewerb von einer "dezidierten Mahnung gegen Intoleranz, Feindseligkeit und Ausgrenzung gegenüber Lesben und Schwulen" die Rede. Und auch die künstlerische Darstellung unterscheide den neuen Erinnerungsort von herkömmlichen Denkmälern.

Entstehen soll ein 70 Quadratmeter großes Bodenmosaik aus vielen knallbunten Flächen. In zweien davon sind kleine Dreiecke eingelassen: ein rosafarbenes für die Schwulen und ein schwarzes für Lesben - diese Zeichen mussten in den Konzentrationslagern getragen werden. Das Kulturreferat wertet die Buntheit als klares Zeichen für eine offene, tolerante und vielfältige Gesellschaft, ein dem Regenbogen der schwul-lesbischen Bewegung vergleichbares Symbol.

"Es gab nie eine Debatte darüber"

Dass das Mahnmal am Boden liegt, hat - anders als bei den Stolpersteinen - diesmal keine Rolle gespielt. "Es gab nie eine Debatte darüber", berichtet Niederbühl. Die schwul-lesbische Gemeinschaft teile die Argumentation der Jüdischen Kultusgemeinde nicht, die sich vor allem auch aus persönlichen Erfahrungen ihrer Vorsitzenden Charlotte Knobloch heraus vehement gegen ein Gedenken auf dem Boden ausspricht.

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Auf das Stolperstein-Hearing Anfang Dezember dürfte die Haltung der schwul-lesbischen Community keinen Einfluss haben: Im Stadtrat herrscht Einigkeit darüber, dass die Erfahrungen der unterschiedlichen Opfergruppen auch unterschiedlich bewertet werden müssen. Und vor allem natürlich nicht übergangen werden sollen. Die Entscheidung für ein Bodenmosaik am Oberanger sei "kein Präjudiz für die Stolperstein-Debatte", betont daher SPD-Mann Vorländer. Jede Debatte müsse schon aus Respekt vor den unterschiedlichen Erfahrungen separat geführt werden.