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Indersdorfer Gymnasium:In die Herzen trommeln

Die Trommlerinnen tragen einen afrikanischen Kopfschmuck.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Das Projekt-Seminar des Indersdorfer Gymnasiums organisiert einen gemeinsamen Workshop mit der Neuhäusler-Schule für geistig behinderte Kinder und Jugendliche in Schönbrunn. Zum Abschluss gibt es ein wunderbares Konzert.

Ohne Resonanz kein Trommeln. Denn der Holzkorpus nimmt die Schwingungen des Trommelfells auf und verstärkt sie - nur deshalb kann der Ton so weit tragen. Auch bei dem Projekt "P-Seminar meets Schönbrunn" kam es auf Resonanzen an, und zwar im weiteren Sinne des Wortes: Schüler des Gymnasium Markt Indersdorf und des Förderzentrums Johannes-Neuhäusler-Schule haben sich zehnmal mittwochs getroffen, um gemeinsam "zu trommeln, zu tanzen und zu träumen", so ihr Motto. Bei einem solchen Vorhaben kommt es eben darauf an, auf einander zu reagieren, einander zuzuhören und sich zu bestärken.

Das Ganze hat so gut geklappt, dass die Schüler zu einem Trommelkonzert in die Schönbrunner Schule eingeladen haben. Dem gefolgt sind Schüler und Lehrer, Eltern und Geschwister, Betreuer und die Nachbarn aus der pädagogischen Wohngruppe, die sich in der Eingangshalle versammeln. Vieles in der Aula der Neuhäusler-Schule ist afrikanisch-farbenfroh: Die Wände sind bunt von Schülerkunst, neben der Bühne hängt eine grün-gelb-rote Senegal-Flagge und die meisten Mitglieder der Trommelgruppe tragen einen Mousor - einen afrikanischen Kopfschmuck.

Und auch das Programm ist eine bunte Mischung: Es beginnt mit einem "bayerischen Hugabaga", nämlich einem traditionellen westafrikanischen Trommelrhythmus, der mit Schuhplattler-Elementen verbunden wird. Zwei Schüler fangen an, nach und nach steigen alle mit ein, und am Ende fliegen 36 Hände über die Djembés, Congas, Knie und Schenkel. Schnell springt der Funke zum Publikum über: Die meisten Teilnehmer und auch Zuhörer wippen mit und manche klatschen im Takt. "Im Wesen der Musik liegt es, Freude zu bereiten", zitiert die Schönbrunner Lehrerin Annette Mayrhofer Aristoteles: "Wir hatten wirklich sehr viel Spaß zusammen."

Die ganze Woche hätten sich ihre Schüler auf die Trommel-Mittwoche gefreut. Entstanden ist das gemeinsame Musikmachen aus der Initiative von acht Schülerinnen aus Markt Indersdorf und ihrer Lehrerin Karin Kreitmair. Anlässlich ihres Projekt-Seminars "Musiktherapie" luden sie Schüler von der Johannes-Neuhäusler-Schule ein, gemeinsam mit ihnen Musik zu machen, sieben Jungen und Mädchen aus der fünften bis neunten Klasse meldeten sich auf den Aufruf hin. Sie fuhren dann einmal in der Woche zu den Workshops von Schönbrunn nach Markt Indersdorf, gemeinsam mit ihrer Lehrerin Annette Mayrhofer und zwei Betreuern, denen es ebenfalls so gut gefallen hat, dass sie einfach mitgetrommelt haben.

Zusammengearbeitet haben die beiden Schulen schon öfter, zuletzt bei einem "Mausical" im Sommer. "Das gemeinsame Trommeln war aber trotzdem ein Pilotprojekt", sagt Musiklehrerin Karin Kreitmair. In dem Seminar haben sich die Schülerinnen zuerst theoretisch mit verschiedenen Therapieformen auseinandergesetzt und dann in der Schönbrunner Schule hospitiert. Die Trommel-Workshops bildeten schließlich den praktischen Teil des Projekt-Seminars.

Dafür holten sie sich Unterstützung von Trommellehrerin und Rhythmustrainerin Heidi Eberhardt. Trommeln sei ganz besonders geeignet für die Musiktherapie, erklärt sie: "Es erdet, es synchronisiert die Gruppe und befriedigt das Harmoniebedürfnis." In der bunten Schönbrunner Aula geht es nach dem "bayerischen Hugabaga" weiter mit einem Klanggestenkanon, einer kleinen vertonten Geschichte und dem "We Will Rock You"-Beat. Schnell kann man sehen, wie ansteckend Rhythmus sein kann: Alle sind sofort dabei. "Sautez, dansez, tournez!" - springt, tanzt, dreht euch - heißt es dann beim letzten Stück, einem französischen Tanz. Und das gilt nicht nur für die Trommel-Gruppe: Auch im Publikum tanzen die Schüler, die Eltern, die Lehrer, die Rektorin.

"Das Lebendige, das Bunte, das macht das Besondere unserer Schulart aus", sagt Annette Mayrhofer. Für sie war das Projekt ein voller Erfolg, deswegen soll es in Schönbrunn fortgeführt werden. Bisher fehlte es dafür an der Neuhäusler-Schule noch an ausreichenden Musikinstrumenten, doch Schulleiterin Angelika Hillreiner hat eine gute Nachricht: Durch eine Spende ist die Anschaffung von Congas, Djembés und anderen Rhythmusinstrumenten gesichert, der Kurs kann losgehen. Sofort nach dem Konzert kommen die ersten Schüler deswegen auf ihre Lehrerinnen zu: Sie möchten mitmachen. Die Trommelgruppe aus Schönbrunn und Markt Indersdorf: Sie ist auf Resonanz gestoßen.