Weihnachtspredigten:Von der Würde des Menschen

Die Zeiten sind bekanntlich alles andere als ruhig. Dekan Wolfgang Borm will den Menschen in seiner Weihnachtspredigt dennoch Hoffnung machen

Von Robert Stocker

Die Zeiten sind alles andere als ruhig. In vielen Teilen der Welt toben schreckliche Kriege, radikale Gesinnungen und Terror brechen sich Bahn. Der Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt ist nur ein Beispiel dafür. Dekan Wolfgang Borm, Leiter des Pfarrverbands Sankt Jakob, will in seiner Weihnachtspredigt den Menschen dennoch Hoffnung machen. Das Weihnachtsfest sei nicht nur eine christliche Tradition, sondern vermittle vor allem die Botschaft, dass Gott den Menschen spürbar nahe kommen will. Er komme in die Welt aller Menschen. Nicht nur zu denen, die einen Christbaum schmücken, sondern auch jenen, die in Not und Elend leben. Borm will den Gläubigen nahe bringen, dass das, was auf der Welt passiert, nicht das Letztentscheidende für die Menschen sei. Das Kind in der Krippe stehe dafür, dass Gott seine Kraft in der Welt entfalten will. "Diese Botschaft kann auch durch einen Anschlag nicht ausgehebelt werden", so Borm. Die Würde könne den Menschen nicht genommen werden.

Sein Kollege Thomas Körner, Pfarrer der evangelischen Friedenskirche, geht auf die Opfer des Anschlags in der Fürbitte ein. In seiner Predigt zur Christvesper macht er sich Gedanken, wie die Menschen verstehen sollen, dass Gott auf die Welt kommt. Für manche sei das Weihnachtsevangelium vielleicht ein schönes Märchen, das nach dem Gottesdienst wieder vergessen sei. Um die Weihnachtsbotschaft aufzunehmen, müsse eine Veränderung in den Menschen geschehen. In diesem Sinne sieht Pfarrer Körner die Redewendung "nicht mehr alle Tassen im Schranken zu haben" durchaus positiv: Ein wenig ausbrechen aus dem gewohnten Alltag, ein bisschen Wagemut leben und Neues zulassen. Das klinge vielleicht immer noch ein wenig ver-rückt, aber bescheuert sei es nicht. So könnte sich Gottes Kommen auch in der kleinen Dachauer Welt ereignen. Wer also merke, dass er zu Weihnachten im positiven Sinn nicht mehr alle Tassen im Schrank hat, bei dem könnte Gott durchaus angekommen sein.

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