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Jana Mehringer wollte in Dachau das Kickboxen versuchen, gelandet ist sie dann beim klassischen Boxsport. Schon mit 15 Jahren war die Schülerin aus Vierkirchen Deutsche Meisterin. Doch sie will noch höher hinaus

Von KARL-WILHELM Götte, Vierkirchen/Fürstenfeldbruck

Als Jana Mehringer 13 Jahre alt war, fand sie Kickboxen cool. Die damalige Realschülerin ging zur Boxschule Dachau, um diesen Sport auszuprobieren. Das Probetraining in der Boxschule begann mit Boxübungen. Nur mit den Fäusten zu agieren, gefiel ihr auf Anhieb so gut, dass sie gleich beim Boxen geblieben ist, wie die Vierkirchenerin erzählt: "Kickboxen habe ich nie gemacht." Diese Entscheidung fürs Boxen war richtig gewesen: Jana Mehringer vom BC Piccolo Fürstenfeldbruck wurde schon mit 15 Jahren Deutsche Meisterin in der U 17-Jugendklasse. Ihr großes Ziel sind die Olympischen Spiele.

Es ist zwei Jahre her, als Mehringer ihren ersten Meistertitel holte. Zuvor war sie in der Boxschule Dachau vom dortigen Trainer Mario Stanislaw vorbereitet worden, um fit für Wettkämpfe im Boxring zu sein. Vor diesen Titelkämpfen stand sie erst sechsmal im Ring. Die Meisterschaft gewann sie in der 54-Kilo-Klasse. Damals erhielt sie auch den Ehrenpokal als beste Boxerin aller Gewichtsklassen in der U 17 und wurde als beste Technikerin ausgezeichnet. So schwärmte Piccolo-Chef Manfred Kaltenhäuser von der jungen Boxerin: "Keine boxt so schön wie Jana." Schön zu boxen ist das eine, die Basis im Training zu legen, ist das andere. Die 17-jährige Fachoberschülerin aus Vierkirchen weiß, worauf es ankommt: "Ich bin diszipliniert und zielstrebig."

Jana Mehringer trainiert täglich. Und ihr Fleiß zahlt sich aus: Die Fachoberschülerin aus Vierkirchen steht inzwischen im Nachwuchskader der Nationalmannschaft.

(Foto: Privat)

Diszipliniert heißt tägliches Training von Montag bis Freitag. Trainer Stanislaw bestätigt die Willenskraft der jungen Athletin: "Sie ist sehr, sehr ehrgeizig und ungeheuer trainingsfleißig." Weitere Erfolge blieben nicht aus. Bei den Deutschen Meisterschaften 2018 in der U 17 boxte sie sich wieder bis ins Finale vor und wurde dort knapp besiegt. Auch in diesem Jahr wurde Mehringer wieder südbayerische Meisterin - zum dritten Mal in Folge. Kürzlich gewann sie in Kaufbeuren auch noch ein Internationales Jugendturnier.

Jana Mehringer befindet sich erst im dritten Wettkampfjahr. Sie kämpft jetzt im Juniorenbereich der U 19. Da sind die Anforderungen schon viel größer als in der U 17. Die 1,68 Meter große Boxerin kämpft eine Gewichtsklasse höher in der 57-Kilo-Kategorie. Die nächste Bewährungsprobe findet bei den Deutschen Meisterschaften in Velbert statt. Zur Vorbereitung fährt sie ins Trainingslager nach Straubing, danach geht es mit der bayerischen Boxstaffel nach Velbert. Mit dabei ist wie immer ihr Vater Markus Bär als Betreuer und familiäre Unterstützung.

Mehringers Kampfrekord steht bei 13 Siegen und vier Niederlagen. "Gewinnen ist natürlich schöner, aber ich kann auch mit Niederlagen umgehen", sagt sie selbstbewusst. "Dann gibt es eine Analyse zusammen mit meinem Trainer, und wir schauen, wo ich mich verbessern kann." Die Boxerin ist sicher: "Ich wachse daran." Ihr Trainer Mario Stanislaw möchte, dass sie jetzt im Juniorenbereich möglichst viele Kämpfe absolviert, um die notwendigen Erfahrungen zu sammeln. In Velbert ist Mehringer in der 57-Kilo-Klasse nicht die Favoritin, sondern Ilona Sarembo aus dem westfälischen Brackwede, die aktuelle Junioren-Europameisterin. "Ich freue mich darauf, da kann ich sehen, wo ich stehe", sagt Meringer und vertraut auf ihre starke linke Führhand. "Ich schlage auch beidhändig", fügt sie noch hinzu.

Jana Mehringer wird im September von der Fachoberschule in eine Ausbildung zur Industriekauffrau wechseln. "Das lief super in der Schule, aber so habe ich mehr Zeit für das Boxen", erläutert sie ihre Entscheidung. Inzwischen gehört sie zum Nachwuchskader der Nationalmannschaft. Ihr großes Ziel ist die Teilnahme an Olympischen Spielen. Die nächsten im Jahr 2020 in Tokio kommen noch etwas früh, aber 2024 in der französischen Hauptstadt Paris ist realistisch.

Mit der Talentiade 2019 prämiert die Süddeutsche Zeitung zum zehnten Mal die Leistung von Sporttalenten (bis Jahrgang 2000) aus München und der Region sowie die Nachwuchsarbeit ihrer Vereine. Wir suchen deshalb junge Sportlerinnen und Sportler, die in den letzten beiden Jahren - unabhängig von Sportart oder Titeln - sportliches Engagement gezeigt haben. Vergeben werden unter anderem neun Förderpreise à 1500 Euro. Bewerbungen und Vorschläge bis 18. Juni unter sz.de/talentiade2019.