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Rundgang mit Naturschützern:Zu wenige Kräuter im geschützten Torfmoor

Das Weichser Moos ist Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten. Umweltexperten warnen vor der Ausbreitung ortsfremder Pflanzen

"Jeder dumme Junge kann einen Käfer zertreten, aber alle Professoren dieser Welt können keinen herstellen." Mit diesem Zitat des Philosophen Arthur Schopenhauer (1788-1860) hat Bürgermeister Harald Mundl das Gesprächsforum zur Erarbeitung des Managementplanes für das Naturschutzgebiet "Weichser Moos" eröffnet. Mundl steht seit drei Jahren dem Landschaftspflegeverband des Landkreises vor, der sich zusammen mit Landwirten und Forstarbeitern um die Pflege des rund 55 Hektar umfassenden Naturschutzgebiets kümmert. Vor der Exkursion dorthin haben sich vor kurzem Vertreter der Regierung von Oberbayern, der Forstverwaltung, der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes Dachau und der Kreisgruppe des Bund Naturschutz im Schulungsraum des Feuerwehrhauses getroffen.

Selbst Vögel wie der Kiebitz leiden unter der Ausbreitung.

(Foto: Toni Heigl)

Grundlage für das europäische Biotop-Verbundnetz "Natura 2000" zum Schutz der biologischen Vielfalt von wild lebenden Pflanzen und Tieren sind die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-RL) und der Vogelschutz (VS). Demzufolge fordert die Europäische Union für alle Natura-2000-Gebiete einen guten Erhaltungszustand. Mittels eines jährlichen Managementplans stellen Naturschutzbehörden deswegen zweckmäßige Erhaltungsmaßnahmen auf. Für Eigentümer und Pächter ist dieser Managementplan nicht verpflichtend. Bei der Nutzung ist allein das Verschlechterungsverbot maßgeblich. Die Befolgung dieses Plans oder auch nur einzelner Maßnahmen daraus ist also freiwillig, auch gegen Entgelt.

Experten erstellen jedes Jahr einen Managementplan.

(Foto: Toni Heigl)

Im Runden Kreis konnten die Teilnehmer Fragen und Wünsche bezüglich des Naturschutzes und der Landwirtschaft vorbringen. Die Moderation hatte Ulrich Müller als Vertreter der Regierung von Oberbayern übernommen. Anregungen bezüglich Verbesserung und Optimierung der Pflegemaßnahmen gab es von mehreren Seiten. So erkundigte sich Birgit Scharrer vom Amt für Ernährung und Landwirtschaft, ob im Naturschutzgebiet Weichs der Anbau von Moosbeeren (bekannter als Cranberrys) möglich wäre. Ein anderer Teilnehmer sprach das inzwischen gehäufte Vorkommen von Bibern an. Das Problematische an den Tieren ist, dass durch ihre Bauten Feuchtwiesen entwässert werden und Gräben verlanden.

Weiden und Wurzelstöcke verdrängen seltene Pflanzenarten

(Foto: Toni Heigl)

Dieses Grabennetz, das der Entwässerung dient, entstand in den Zwanzigerjahren im Zuge der Glonn-Regulierung. Das Weichser Moos zählt zu den größten und am besten erhaltenen Überflutungsniedermooren im oberbayerischen Tertiärhügelland. Für den Landkreis Dachau wird es mit dem Glonntal als Schwerpunkt des Naturschutzes mit überregionaler Bedeutung eingestuft. Das heutige Erscheinungsbild mit teils verbuschten, verschilften oder als Grünland genutzten Parzellen, durchzogen von Gräben, weist auf den früheren Abbau von Torf hin. Dieser Torfkörper schwankt noch heute zwischen 70 Zentimeter im Norden bis zu einer Mächtigkeit von über zwei Metern im Zentralbereich. Abnehmer des Brennmaterials waren neben den Bauern die Klosterbrauerei Indersdorf und die Weichser Schule. Nach dem Abbau wurden die Torfstiche mit Lehm oder auch Bauschutt verfüllt. Diese Standorte werden heute von Feuchtgebüschen bewachsen. Erst in den Sechzigerjahren mit der Umstellung auf Heizöl wurde das Torfstechen aufgegeben. Mit den Jahren verbuschten die Wiesen und Torfstiche, die Gräben verlandeten.

Auch Büsche tragen zur Verdrängung bei.

(Foto: Toni Heigl)

Diese drohende Gefahr hat den inzwischen verstorbenen Biologen Wolfgang Braun in den Siebzigerjahren zur Ausarbeitung eines Schutzvorschlages bewogen. Aufgrund dessen wurde das Weichser Moos 1998 zum Naturschutzgebiet erklärt. In der bayerischen Natura-2000-Verordnung sind für den Lebensraum Weichser Moos Pfeifengraswiesen, feuchte Hochstaudenfluren und magere Flachland-Mähwiesen ausgewiesen. An gebietsspezifischen Arten wird der überall selten gewordene Schmetterling mit dem etwas sperrigen Namen Wiesenknopf-Ameisenbläuling aufgeführt. Dessen Vorkommen ist an das Vorhandensein des Großen Wiesenknopfes gebunden, seine Nahrung. Nur noch ganz selten ist auch die Schmale Windelschnecke zu finden, deren Lebensraum hohe Grundwasserstände mit offenem Charakter voraussetzt.

Wetterbedingt konnten die rund 20 Teilnehmer der Exkursion weder für das Moor typische Schmetterlinge noch Insekten oder Vögel beobachten. Immerhin hatte es zu regnen aufgehört, als sich die mit Gummistiefeln und Anoraks ausgestattete Wandergruppe am Eingang zum Naturschutzgebiet traf. Die Führung hatte Reinhard Engemann vom Dachauer Planungsbüro Peb übernommen, das mit der Erarbeitung des Managementplans beauftragt ist. Während des Rundgangs blieb die Gruppe immer wieder stehen, damit der Referent besondere Lebensräume erklären und die Teilnehmer auf eventuelle Missstände hinweisen konnte. So bemängelte Roderich Zauscher, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe, dass in den Moorwiesen zu viel Gräser und zu wenig Kräuter wachsen. Dem sollte man mit einer minimalen Mistdüngung entgegenwirken und einer Beweidung mit Ziegen oder Hochlandrindern. Zauschers Stellvertreter Heinz Gibowsky warnte vor der zunehmenden Verbuschung des Mooses und plädierte für das Entfernen von Gehölzaufwuchs und Wurzelstöcken. Auch Johannes Hiller vom Landschaftspflegeverband beklagte die Ausbreitung von "Weiden-Dschungel", weshalb er seit langem keinen Kiebitz gesichtet habe und schon gar keinen Sumpfrohrsänger oder ein Blaukehlchen.

Als Schutzmaßnahme für seltene Schmetterlinge verwies Sybille Hein, Leiterin der Unteren Naturschutzbehörde Dachau, darauf, dass Nasswiesen erst gemäht werden dürften, wenn der Wiesenknopf als Nahrungspflanze des Ameisenbläulings vollständig ausgesamt hat, was vor allem vom Wetter abhängt. In diesem Kontext bemerkte Ludwig Wilhelm (Kreisgruppe LBV), dass das maschinelle Mähen vorsichtig ausgeführt werden sollte, um die Ameisennester in den Wiesen nicht zu zerstören. In diesen Erdbauten überwintern die Raupen der seltenen Bläulinge, die sich bis zur Verpuppung von den Eiern und Larven ihrer Wirtsameisen ernähren. Ein Landwirt verwies auf die Zunahme des giftigen Jakobkreuzkrauts im Mähgut, was zu gefährlichen Organschäden bei Kühen und Pferden führt. Ein wichtiges Thema für alle Nutzer war auch die sehr wetterabhängige ein- bis zweischürige Mahd zum Erhalt der Offenlandbereiche.