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Pfaffenhofen a. d. Glonn:Doppelter Schicksalsschlag

Sabine und Helmut Weikenstorfer kämpfen um das Leben ihrer Zwillinge. Die Buben sind an Leukämie erkrankt

Die Welt von Sabine und Helmut Weikenstorfer zerbrach am 14. Juli: Leukämie, so lautete die Diagnose bei ihrem einjährigen Sohn Luis. Genau einen Monat später kam der nächste Schock: Wieder Leukämie, diesesmal bei seinem eineiigen Zwillingsbruder Leon. "Alles, was vorher wichtig erschien, wird plötzlich ganz unbedeutend", sagt die 42-jährige Egenburgerin. Hatte die Familie sich vorher nicht darauf einigen können, ob man den Tag im Schwimmbad oder doch lieber auf dem Balkon verbringt, gibt es jetzt nur noch einen Gedanken: "Wir wollen Luis und Leon nicht verlieren." Seitdem geben die täglichen Blutuntersuchungen, Chemotherapien und Knochenmarkspunktionen den Takt vor.

Daran wird sich in den nächsten beiden Jahren auch nichts ändern. Solange wird es voraussichtlich dauern, bis die Behandlungen der Zwillinge abgeschlossen sind. Ihre Heilungschancen sind gut. Inzwischen stoßen die Weikenstorfers aber an ihre finanziellen Grenzen. Sie widmen ihre komplette Zeit der Pflege von Luis und Leon. Der Lagerist und die Sachbearbeiterin wissen noch nicht, wann sie wieder regelmäßig arbeiten gehen können. Der SZ-Adventskalender möchte sie für diese Zeit unterstützen.

Hoffen auf eine bessere Zukunft: Helmut und Sabine Weikenstorfer aus Ebenburg mit ihren leukämiekranken Zwillingen Luis (links) und Leon.

(Foto: privat)

Aus einem "unguten Bauchgefühl" heraus hatte Sabine Weikenstorfer im Juli den Kinderarzt gebeten, Luis Blut abzunehmen. Er hatte sich an diesem Tag in der Kinderkrippe mit einem anderen Jungen gerauft und nach dem Zwischenfall hyperventiliert. "Ich wollte ihn nur kurz durchchecken lassen", erzählt die Mutter. Luis zeigte keines der typischen Symptome einer akuten lymphatischen Leukämie wie Abgeschlagenheit, Blässe oder kleine punktförmige Hautblutungen. Er sei aufgeweckt und fröhlich gewesen. "Der Arzt wollte uns beruhigen und wieder nach Hause schicken, aber ich blieb hartnäckig." Als die Ergebnisse vorliegen, geht alles ganz schnell. Noch am selben Tag untersucht ein Hämatologe den kleinen Jungen und bestätigt die Diagnose. Sofort erhält Luis eine Chemotherapie auf der onkologischen Kinderstation eines Münchener Krankenhauses. Danach folgen 33 Tage Isolation, um sein geschwächtes Immunsystem nicht zu belasten.

In dieser Zeit darf er seinen Bruder Leon nicht sehen. Seine Eltern müssen Schutzkittel, Mundschutz, Handschuhe und ein Haarnetz tragen, wenn sie bei Leon sind. Im Zimmer ist es stickig und heiß. Es ist Hochsommer. Draußen hat es mehr als 40 Grad. Nur dreimal am Tag darf gelüftet werden. Es könnten zu viele Bakterien ins Isolierzimmer gelangen. Dazu bekommt Luis jeden Tag Chemotherapie. "Wir kamen an unsere Belastungsgrenzen", erinnert sich der 46-jährige Helmut Weikenstorfer. Mitte August ist alles überstanden. Luis darf wieder nach Hause. Doch bei den Weikenstorfers ist die Freude verhalten. Einen Tag zuvor wird auch bei Zwillingsbruder Leon der Blutkrebs diagnostiziert. "Der Horror begann für uns von vorne", sagt Vater Helmut.

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Ob die mittlerweile Zweijährigen begreifen, was mit ihnen passiert? "Die Zwillinge jammern nie", sagt Sabine Weikenstorfer. Ohne zu murren, ertrügen sie die Behandlungen. Ohne Widerwillen schluckten sie dreimal täglich ihre Medikamente. "Sie sind so tapfer. Dafür hätten sie eine Medaille verdient", stimmt Helmut Weikenstorfer seiner Frau zu. Die beiden sind froh, dass die Zwillinge noch klein sind. "Wer kann sich schon an Erlebnisse aus seiner frühesten Kindheit erinnern?", sagt Sabine Weikenstorfer. Sicher werde sie die Zeit aber prägen. Denn momentan dürfen Luis und Leon nur eingeschränkten Kontakt zu Kindern haben und müssen Menschenmengen meiden. Einfach auf dem Spielplatz im Sand buddeln, durch Pfützen springen oder mit den Eltern im Supermarkt einkaufen - geht nicht. Ein harmloser Schnupfen wäre fatal. Sobald sie sich draußen aufhalten, müssen sie ihre Atemschutzmasken aufsetzen. "Mir fällt das so schwer, den Jungs alles zu verbieten", sagt die Mutter. Wenn sie andere Kinder herumtoben sehe, werde auch sie traurig. Dann schießt ihr immer wieder dieselbe Frage durch den Kopf, auf die sie keine Antwort findet: "Warum wir?"

Auch an den Eltern ist die Krankheit ihrer Kinder nicht spurlos vorbeigegangen. Oft sehnen sie sich nach den Tagen zurück, an denen sie gemeinsam zu Abend essen und die Kinder nach dem Sandmännchen ins Bett bringen. Danach sitzen sie beieinander, reden über den Tag, schauen ein bisschen fern. "Manchmal kommt es mir vor, als liegt das alles schon eine Ewigkeit zurück", sagt die Mutter. Heute sei jeder nur froh, wenn er seine Ruhe hat.

Momente als Paar sind selten geworden. "Seit Monaten leben wir mit einer ständigen Angst. Die Leukämie bestimmt unser Leben", sagt Sabine Weikenstorfer - und ihr Mann stimmt mit dem Kopf nickend zu.