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Pendel-Bahn bis nach Karlsfeld:Der Nordring kommt

Münchner Stadtrat beschließt Pendel-S-Bahn. Karlsfeld soll Endstation im Westen der Landeshauptstadt sein

Zu Weihnachten etwa zuckeln historische Dampfloks Passagiere über den Münchner Eisenbahn-Nordring - ausnahmsweise, denn ansonsten ist die Strecke für Güterzüge reserviert. Schon in fünf Jahren soll der Personenverkehr aber auch fahrplanmäßig auf dem Nordring rollen. Dafür soll sich die Verwaltung weiter einsetzen, wie der Münchner Stadtrat nun beschlossen hat. Auf der Strecke könnte eine Pendel-S-Bahn den Euroindustriepark, das Forschungs- und Innovationszentrum (FIZ) von BMW und Karlsfeld verbinden. Laut Machbarkeitsstudie ist die Pendelbahn grundsätzlich möglich. Auch BMW wird sich dieser mit einer nicht genannten Summe an den Kosten von bis zu 29 Millionen Euro beteiligen.

Die ersten Pläne sehen einen neuen Bahnsteig an der Knorrstraße vor, über den das FIZ und die U-Bahn-Haltestelle Frankfurter Ring erreichbar sein werden. Die neue S-Bahn soll einen Verkehrskollaps schon heute belasteten Norden verhindern. Der Autobauer BMW setzt sich dafür ein, dass weniger Mitarbeiter mit dem eigenen Wagen zur Arbeit kommen. Denn zu den derzeit 25 000 Arbeitsplätzen am FIZ und den 8500 im BMW-Werk Milbertshofen sollen nach derzeitigem Stand bis zu 15 000 neue Arbeitsplätze hinzukommen. Karlsfeld soll die Endstation der Pendelbahn im Westen sein. Dort könnte ein zusätzlicher Bahnsteig an der Ostseite des bestehenden S-Bahnhofs gebaut werden, von dem aus die Passagiere dann in die S-Bahn umsteigen können. Der geplante Halt Euroindustriepark soll die Trambahn anbinden, die bis 2026 über den heutigen Endhalt Schwabing Nord bis zur Bayernkaserne verlängert werden soll. Für die Pendelstrecke soll es nach dem Willen der Stadt zur Rushhour einen 20-Minuten-Takt geben.

Langfristig wünscht sich die Stadt München zudem einen kompletten S-Bahn-Ring. Doch das ist bei den bestehenden Schienenkapazitäten und der schon heute hohen Auslastung nach aktuellem Stand nicht möglich. Der Südring müsste erst aufwendig ausgebaut werden, doch diese Pläne wurden zugunsten des zweiten Stammstreckentunnels bekanntlich verworfen. Inzwischen herrscht Konsens im Rathaus und der Landespolitik, dass er langfristig doch kommen wird. Auch eine Anbindung des Nordrings an den Ostkorridor Daglfing-Johanneskirchen ist so schnell nicht realisierbar, da dort kurzfristig freie Trassen für Express-S-Bahnen verwendet werden sollen. Für den viergleisigen Ausbau stehen drei Varianten zur Wahl. Eine ebenerdige Trasse, eine im Trog, eine im Tunnel. Letztere wünscht sich München. Doch das wird teuer. Nach Angaben der Bahn wäre der Tunnel mit etwa zehn Kilometern fast so lang wie der zweite Stammstreckentunnel. Der kostet nach aktuellem Stand 3,8 Milliarden Euro. Zwar bräuchte auf der Ausbaustrecke im Tunnel keine unterirdischen Bahnhöfe in der Dimension wie sie auf der zweiten Stammstrecke gebaut werden. Doch ein Milliardenprojekt ist sie nach Meinung der Bahn allemal.

© SZ vom 10.03.2020 / schub
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