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Mobilität:Radweg in rasendem Tempo

Hebertshausen und Dachau wollen Verbindung für Fahrräder bauen

Von Horst Kramer, Hebertshausen/Dachau

Hebertshausens Bürgermeister Richard Reischl (CSU) weiß: "Der Zeitplan ist sportlich." Bis Ende des Jahres 2023 wollen er und Dachaus Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) einen Radweg fertiggestellt haben, der den Hebertshausener S-Bahnhof mit dem Dachauer Ortsteil Pellheim verbindet; eine Strecke von rund 2,6 Kilometern. Der größte Teil führt über Hebertshausener Gemeindegrund, Reischls Rathaus übernimmt daher die Federführung bei dem Projekt. Der Haken an der Sache: Schon bis zu Silvester 2021 müssen alle notwendigen Grundstücksgeschäfte abgeschlossen und notariell beglaubigt sein.

Reischl und Hartmann wollen sich das Projekt zu achtzig Prozent vom Freistaat finanzieren lassen mithilfe eines staatlichen Sonderprogramms, das strenge Fristen setzt, darunter den Abschluss der Planungsphase bis Ende 2021. Sonderprogramm heißt das Ganze deswegen, weil der Staat eigentlich nur für Fahrradwege an Bundes- und Staatsstraßen zuständig ist; bei Kreisstraßen ist es der Landkreis. Radwege innerhalb einer Kommune oder zwischen zwei Kommunen müssen normalerweise komplett von den Gemeinden oder Städten finanziert werden. Somit auch ein Radweg zwischen Pellheim und dem Hebertshausener S-Bahnhof. "Billiger erhalten wir diesen Radweg nie wieder", meint Reischl. Er bat daher den Hebertshausener Gemeinderat um Zustimmung zu dem Projekt, die er auch erhielt.

Nun ist Eile geboten. Denn zuerst müssen die Planungsarbeiten ausgeschrieben und danach sofort umgesetzt und abgeschlossen werden. "Mit etwas Glück" könne er die Pläne schon im Juni in den Händen halten, hofft Reischl. "Sobald die Trassenführung steht, kann ich in die Verhandlungen mit den betroffenen Eigentümern gehen." Reischl kennt durchaus die Schwierigkeiten beim Grundstückserwerb, vor denen manche seiner Kollegen standen oder stehen. Etwa der Petershausener Marcel Fath (FW) und der Weichser Harald Mundl (WBV), deren Bemühungen um einen Radweg zwischen ihren Gemeinden wegen des Widerstands einiger Landwirte ins Stocken geraten ist. In Pfaffenhofen a. d. Glonn versucht Bürgermeister Helmut Zech (CSU), einen Landwirt schon seit einem Dutzend Jahren zum Verkauf eines schmalen Streifens zu überreden, um eine Rad- und Fußwegverbindung zwischen den Ortsteilen Unterumbach und Oberumbach bauen zu können. In der Nachbargemeinde Odelzhausen war eine Rad- und Fußweg vom Ortsteil Sittenbach zum benachbarten Unterweikertshofen (Gemeinde Erdweg) schon im Bürgermeisterwahlkampf 1996 ein wichtiges Thema, 2018 wurde die Verbindung endlich realisiert.

Reischl schrecken diese Beispiele nicht: "Ich habe bisher nie Probleme gehabt. Vielleicht weil ich immer schon zum Verhandlungsbeginn vernünftige Preise gemacht habe." Zudem kenne er viele der Grundbesitzer persönlich. Der Hebertshausener Rathauschef gibt nun Gas: Schon am zweiten Tag nach dem Gemeinderatsbeschluss beauftragte er einen Planer zur Vorbereitung der Ausschreibung.

© SZ vom 01.03.2021
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