Mitten in Plixenried Der falsche Schuss

Das traurige Ende eines Hundes beim Gassigehen

Von THOMAS ALTVATER

Am Montag wäre er 268 Jahre alt geworden, einer der größten Dichter überhaupt: Johann Wolfgang von Goethe. Seine Werke zählen zur Weltliteratur, wenn auch mancher Schüler das nicht immer einsehen mag. Goethe beschäftigte sich keineswegs nur mit Abgründen menschlicher Existenz. Er forschte in vielen naturwissenschaftlichen Bereichen, unter anderem über Tiere und ihre Anatomie. In seine Werke baute er die Entdeckungen immer wieder ein, auch wenn diese heute eher der Fantasie gleichen.

Als ziemlich fantasievoll entpuppte sich der Polizeibericht zu einem Vorfall, der sich am Samstag in Plixenried bei Altomünster ereignete. Stimmungsvoll wird das gruselige Geschehen berichtet: Am frühen Samstagabend sei ein Hund beim Gassigehen erschossen worden. Adi, ein zweijähriger Weimaraner, läuft etwa zehn Meter vor dem Fahrrad der Besitzerin einher, als diese ihn plötzlich auf dem Boden liegen sieht. Ein "undefinierbares Geräusch" habe die Frau vernommen, ein Vogel sei aus dem Wald aufgeschreckt und davon geflattert. So heißt es im Bericht. Zunächst denkt die 44-Jährige, ihr Hund wolle sich ausruhen. Doch sie entdeckt eine blutende Wunde, kurze Zeit später verstirbt der Hund. Woran? Die Dachauer Polizei konnte die Verletzung "eindeutig als Schusswunde identifizieren", so der Bericht. Der Hund wurde vorsätzlich getötet, erklärt die Polizei. Boulevardmedien greifen die Meldung auf: Streift ein gemeiner Hundehasser, ein Tierquäler um die Felder Plixenrieds? Die Tierschutzorganisation Peta mit Hauptsitz in Berlin bekommt von der Sache Wind und verspricht demjenigen, der den Täter stellt, eine Belohnung von 1000 Euro. Gleichzeitig erklärt die Polizei, die Hundebesitzerin habe kein Schussgeräusch gehört. Was dann? Misstrauen keimt auf.

Tatsächlich stellt sich am Nachmittag heraus: Es war alles ein großer Irrtum! Der Hund wurde nicht Opfer einer Gewalttat, eher eines tragischen Unfalls. Statt eines Projektils fanden die Tierärzte einen 15 Zentimeter langen und ein Zentimeter breiten Ast, der die Lunge des Hundes durchbohrt hatte. Fragt sich, wie so ein Ast vollständig im Tierkörper verschwinden kann. Und warum die Polizei eine Schusswunde mit der von einem Ast verwechselt. Zumal es kein entsprechendes Geräusch gab? Für die Hundebesitzerin dürfte dies alles keinen wirklichen Unterschied machen, Adi wird kein neues Leben geschenkt. Tierforscher Goethe hätte wohl gestaunt und kopfschüttelnd gemurmelt: "Es irrt der Mensch, solang' er strebt."