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Mitten in Karlsfeld:Der richtige Dreh

Die CSU will einen Imagefilm für die Gemeinde Karlsfeld. Aber warum nur? Für Gewerbeansiedelungen ist kein Platz vorhanden und der Zuzug an Bürgern läuft zum Leidwesen der Infrastruktur ohnehin. Es geht der Partei des Bürgermeisters um das Wir-Gefühl. Die anderen Fraktionen sind da nicht ganz überzeugt

Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern. Da kommt die gute Laune schon von ganz allein. Vielleicht noch etwas Musik, dann kann man ganz beschwingt in den Frühling starten. Aber welche passt wohl am besten? So etwas wie "Happy" wäre gut. Ein Garant für gute Laune. Vor zweieinhalb Jahren hatte man den Hit ständig in den Ohren. Selbst der Landrat Stefan Löwl (CSU) groovte auf der Happy-Welle dahin. Und manch einer zeigte sich erstaunt ob seiner tänzerischen Fähigkeiten. Mehr als 10 000 Klicks generierte er mit seinem Video.

Nun will Karlsfelds Bürgermeister Stefan Kolbe (CSU) ebenfalls groß rauskommen. Im Landkreisfilm hatte er keine Gelegenheit zu einem anmutigen Tänzchen, nur seine Kollegen Harald Mundl aus Weichs und Florian Hartmann aus Dachau wagten ein paar coole Moves. Doch vielleicht gelingt es Kolbe mit einem anderen Projekt, seine Fähigkeiten herauszustellen: Er und seine CSU wünschen sich einen Imagefilm für Karlsfeld. Einziges Problem: Nicht alle sind überzeugt von der Idee. Zumal die Verwaltung die Kosten mit 50 000 bis 100 000 Euro beziffert. Zwar hat die CSU deutlich geringere Preisvorstellungen. Doch der Argwohn bleibt. Die einen fürchten "Peinlichkeit", die anderen fragen zu Recht: Wozu brauchen wir einen solchen Imagefilm eigentlich? Ein leer stehendes Gewerbegebiet hat Karlsfeld nicht. Im Gegenteil: Die Firmen, die da sind, würden gern expandieren, können aber nicht, weil kein Platz da ist, erinnert Wirtschaftsförderer Peter Freis. Einwohner hat Karlsfeld auch mehr als genug. Die lauschigsten Eckchen im Ort zu suchen und sich so im besten Licht zu zeigen, ist nicht nötig. Denn neue Bürger siedeln sich schneller in Karlsfeld an, als es manch einem lieb ist - auch ohne Werbung.

"Wir wollen das Wir-Gefühl stärken", erklärt Holger Linde (CSU) die Intention seiner Partei. Ist ein Film das richtige Mittel, fragen die Gegner. Den schaut man einmal an und nie wieder, argumentiert Adrian Heim (Bündnis). "Happy Dachau" freilich beweist das Gegenteil. Allerdings gilt es, den Nerv der Zeit zu treffen. Nicht ganz einfach. Auf jeden Fall ist Musik für das Wir-Gefühl sicher keine schlechte Idee. Fragt sich nur was? "Einstürzende Neubauten"? Besser nicht. "Stadt ohne Meer" - zu düster. Oder der neue Hit von Lady Gaga und Bradley Cooper "Shallow"? "Are you happy in this modern world? Or do you need more?" Sommerliche Leichtigkeit und Fröhlichkeit versprüht der Song nicht gerade. Vielleicht fällt den Studenten, die sich nun damit befassen sollen, was Passendes ein.