bedeckt München 20°

Mitten in Karlsfeld:Abenteuer im Supermarkt

Im Lockdown wird der Supermarkt zum Abenteuer-Spielplatz.

Glosse von Walter Gierlich

Die letzten Tage der Weihnachtsferien waren für Karlsfelder Kinder ein Traum. Schnee war ausreichend gefallen, so dass die Buben und Mädchen mit ihren Schlitten den Rodelberg am See erklimmen und anschließend mit Hurra herunterrauschen konnten. Kaum jedoch hatten sich die Ferien in Distanzunterricht und simple Schließung von Krippen und Kindergärten verwandelt, war's aus damit. Der Wettergott mochte den Kleinen den Spaß beim Wintersport nicht länger gönnen und ließ Schneeregen vom Himmel fallen, der die Rodelbahnen einfach wegschwemmte.

Doch zum Glück gibt es gerade für die Jüngsten einen weiteren Abenteuerspielplatz, der sogar überdacht und beheizt ist: den Supermarkt. Vor kurzem konnte man an dieser Stelle lesen, dass der selbst für Erwachsene ein Erlebnisort sein kann. Weil diese sich dort seit Monaten die Tage an der Ladentheke statt die Nächte am Bartresen um die Ohren schlagen dürfen. Aber auch für die Kinder kann so ein Riesenladen zu einem Ort werden, an dem es viel zu bestaunen gibt, wenn sie Mama, Papa, Oma oder Opa in den Konsumtempel begleiten müssen, beziehungsweise dürfen. Das ließ sich bereits im vergangenen Frühjahr beobachten und ist jetzt, da die Betreuungseinrichtungen erneut geschlossen sind, wieder bei jedem Einkauf zu sehen.

Es geht schon am Eingang damit los, dass ein Mädchen vom Vater kategorisch verlangt, in den Einkaufswagen gehoben zu werden, weil gefahren werden viel lustiger ist als laufen. Wenn schon Schlittenfahren nicht mehr geht. Mitten im Geschäft kommt dann plötzlich ein Bub mit einem bunten Spielzeugkarton in Händen lautstark jubelnd auf die Mutter zugelaufen, während diese gerade versucht, dessen kleine Schwester von den Süßigkeiten wegzulocken. Biegt man in den nächsten Gang ein, steht dort ein weinender Bub, der seine Oma nicht mehr findet. Man nimmt ihn an der Hand, umkurvt mit ihm einige Regale und freut sich schon wenig später, ein glückliches Wiedersehen ermöglicht zu haben. Und wenn man schließlich an der Kasse ansteht, sieht man die Kleine vom Eingang wieder, die immer noch fröhlich im Wagen sitzt und gegenüber dem Papa selbstbewusst darauf beharrt, alle Einkäufe aufs Band zu legen. Zahlen muss dann aber doch er.

© SZ vom 15.01.2021
Zur SZ-Startseite