bedeckt München
vgwortpixel

Mitten in der S-Bahn:Rätselhafte Verzögerungen

Der geheimnisumwitterte Streckagent oder die Frage: Was sind Betriebsstörungen? Nur eines ist klar: Die S 2 fällt aus

Wer wissen will, wo es im S-Bahn-Netz täglich hakt, kann einen kostenlosen Service der S-Bahn München in Anspruch nehmen. Dann erhält er Mails des "Streckenagenten", der vermutlich mit hochgeschlagenem Mantelkragen und tief in die Stirn gezogenem Hut undercover um Gleise und Bahnhöfe schleicht. Stets ist er Störfällen im S-Bahn-Netz auf der Spur, über die er dann seine Verbindungsleute informiert.

Seit Dienstag vergangener Woche treibt er sich offenbar ständig an der Strecke der S 2 herum. Täglich meldete er neue Störungen: Dienstag und Mittwoch fielen wegen einer Störung im Dachauer Stellwerk zwischen Dachau und München mehrere Züge des Zehn-Minuten-Takts aus. Am Donnerstag ging die Misere weiter. Auf der Strecke nach Altomünster wurden erneut Verbindungen des Zehn-Minuten-Takts gestrichen. Aus betrieblichen Gründen, wie der Streckenagent berichtete. Und am Freitag das gleiche Bild: Von 15 Uhr an fielen wieder aus betrieblichen Gründen S-Bahnen von Dachau nach Altomünster und umgekehrt aus. Zwar kündigte der Agent einen Schienenersatzverkehr mit Bussen an. Doch der wurde erst zwei Stunden nach dem ersten S-Bahn-Ausfall eingerichtet. Für Fahrgäste, die weit im Hinterland wohnen, ein schwacher Trost.

Und was, bitte, versteckt sich hinter dem Begriff "betriebliche Gründe"? Der Streckenagent konnte diese Frage am Freitag nicht klären. Genauso wenig wie die Pressestelle der S-Bahn München. "Wir sind im Augenblick nicht erreichbar", teilte ein Sprecher per Anrufbeantworter mit. Die im vergangenen Jahr elektrifizierte S 2 Altomünster steht anscheinend unter keinem guten Stern. Erst legten immer wieder technische Probleme an den Bahnübergängen die Züge lahm, jetzt meldet der Streckenagent täglich neue Störungen. Hoffentlich taucht er an den kommenden Tagen ab. Oder treibt sich an anderen Linien der S-Bahn herum.

© SZ vom 10.08.2015
Zur SZ-Startseite