Mitten in der Region Freud und Leid beim Fechten

Sport ist ein tolles Hobby für Kinder. Wären da nicht die überehrgeizigen Eltern und die immer mäkelnden Trainer

Kolumne von Nicole Graner

Was macht man nicht alles für die eigene Brut? Die Hobbys der Kinder fressen nämlich Zeit. Wie oft heißt es in den Familien: Fußballturnier am Samstag. Yippie! Bei Wind und Wetter. Rausschälen aus dem Bett und in aller Herrgottsfrühe ins Auto und zur Sportstätte. Zum Tennisplatz, zum Pferdestall, auf den Hockeyplatz. Oder eben in die Halle. Zum Fechtturnier zum Beispiel. Nach Halle, nach Coburg, nach Ingolstadt, nach Weinheim, ja, sogar nach Hamburg. Jahrelang tat man es. Entdeckte Deutschland auf der zwei Meter breiten Planche. Aber: Fechten ist wirklich ein toller Sport. Er vereint Cleverness, Schnelligkeit und Präzision. Mit der Zeit erkennt man selbst eine Parade Riposte, einen Bingo oder einen Mitstoß, beginnt an den Entscheidungen der Obmänner zu zweifeln und starrt gebannt auf den Treffermelder, auf rot, grün oder weiß.

Einen ganzen Tag in der Halle, das ständige Piepsen der Zähler und die ewig anfeuernden, überehrgeizigen Eltern - nach vielen Jahren hat man genug von den Sporthallen der Republik, dem Turnierdruck, dem "Mein-Kind-ist-ein toller-Hecht"-Getue. Aber die Kinder werden ja groß. Entdecken neue Herausforderungen, an denen sie sich messen wollen und müssen. Doch nach langer Pause vermissen sie ihren Sport und fangen wieder an zu fechten. Neulich doch wieder ein Turnier in der Münchner Messestadt. Und? Liebe Eltern, kaum zu glauben, es war richtig schön. Erinnerungen, so viele, kehrten wieder. Das schrille Piepsen, ach, so vertraut, wie die Kampfrufe auf der Planche. Man entdeckte bekannte Gesichter: Die kleinen Fechter von einst, die zu Männern und Frauen wurden. Man sieht die Veränderung am eigenen Kind.

Vieles hat sich im Sport verändert. Schneller ist er geworden. Nur eines ist gleich geblieben: Trainer, die ständig über Fehlentscheidungen des Schiedsrichters schimpfen und Eltern, die ehrgeiziger sind als die Kinder selbst. Und genau dann reicht es schon wieder. In der Halle.