Mitten in Dachau Wenn der Aufzug stillsteht

Für behinderte und ältere Menschen ist ein defekter Aufzug am Bahnhof ein Ärgernis

Von Wolfgang Eitler

Mit dem Problem am Dachauer S-Bahnhof sieht sich Wolfgang Rettinger, Behindertenbeauftragter im Landkreis, gefühlte tausend Mal im Jahr konfrontiert: Der Aufzug geht nicht. Bis Donnerstag war er eine Woche lang nicht funktionstüchtig. Weil ohne ihn aber körperlich behinderte und ältere Menschen den Bahnsteig nicht verlassen können, hat er sich nicht nur in Rettingers Wahrnehmung zu einem zentralen Problem der Mobilität gesteigert. Eine Bürgerin aus Röhrmoos, die sich sozial engagiert, teilt Rettingers Einschätzung: "Der Aufzug ist sehr oft kaputt." Sie erzählt von mehreren Kontakten mit der Informationsstelle der Bahn. Die Mitarbeiter dort erlebe sie entnervt, wenn sie wegen des Aufzugs anruft.

Die Abteilung der Deutschen Bahn AG, die sich um die S-Bahnen der Region München kümmert, wiederum ist über die Kritik erstaunt. Ein Sprecher teilt mit: "Wir können sie nicht bestätigen." Tatsächlich hielten sich die Ausfälle in Dachau im Rahmen des Üblichen auf dem Bahnnetz in der gesamten Region München. In den vergangenen Wochen seien mehrere Aufzüge hitzebedingt ausgefallen. Die Gehäuse aus Glas und Edelstahl hätten sich so stark aufgeheizt, "teilweise auf 60 Grad und mehr, sodass die Technik sich selbständig ausschaltet". In Dachau allerdings seien seit vergangenen Freitag umfangreiche Reparaturen notwendig gewesen. Ein maßgebliches Ersatzteil habe erst noch beschafft werden müssen.

Nun könnte die Bahn dem Engpass abhelfen, indem sie einen zweiten Aufzug am Bahnhof einbaut. Nach Angaben ihrer Pressestelle scheitert ein solches zusätzliches Angebot an den Richtlinien von Bund und Freistaat für den behindertengerechten Ausbau von Bahnhöfen. Wenn, dann müsste die Stadt Dachau die gesamten Baukosten übernehmen. Germering beispielsweise habe sich kürzlich dazu entschlossen.