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Mitten in Dachau:Versprechen in Bierlaune

Michael Gold, der Vorsitzende der Karlsfelder Werbegemeinschaft, hat den Mund wohl etwas zu voll genommen

Walter Ulbricht versprach: Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten. Norbert Blüm versprach: Die Rende is sischer. Angela Merkel versprach: Wir schaffen das! Und ihr Antipode, Horst Seehofer, versprach ein Flüchtlingswohnheim mit richtigen Wänden und Türen anstelle der menschenunwürdigen Gammelbaracke an der Kufsteiner Straße. Aber das war 2013, und wie sagte schon der große Alte vom Rhein, Konrad Adenauer: "Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?" Politikerversprechen sind von Haus aus volatil, jeder weiß das.

Anderen Menschen fällt es nicht so leicht, sich über ihre Versprechen hinwegzusetzen, seien sie auch noch so leichtfertig dahingesagt, am Traualtar, im Spielzeugladen oder am Brunnen wie beim Froschkönig. Auch Michael Gold, der Vorsitzende der Karlsfelder Werbegemeinschaft, hat den Mund wohl etwas zu voll genommen. Auf dem Marktplatz hatte er im vergangenen Jahr allen Narren, die 2016 im Nachthemd kommen, eine Flasche Schnaps versprochen. Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht abzusehen, wie mild der Winter 2016 werden würde. Nachthemd bei zwölf Grad: Isländer würden da Schweißausbrüche bekommen, Gold bekommt kalte Füße. Vielleicht hat er sich das mal ausgerechnet, wie viel Betankung er vorhalten müsste. Und dieser Sprit ist teuer.

In einer Pressemitteilung bekennt Gold nun, dass er sich vielleicht doch etwas weit aus dem Fenster gelehnt hat. "Man könnte es auch aus einer Bierlaune heraus nennen", schreibt er. Ein Eingeständnis wie dieses würde auch manch gebrochenes Versprechen aus der Politik in milderem Licht erscheinen lassen. "Oooch, die Mauer? Das war nur so eine verrückte Schnapsidee von mir." Dabei ist es nicht so, dass OFC-Faschingsfunktionär Gold sich nun von seinem Versprechen lösen wollte, der Narr steht zu seinem Wort: "Jeder Besucher über 18, der am 9. Februar im Nachthemd erscheint, bekommt von mir persönlich eine Flasche Schnaps." Ob die allerdings für einen Vollrausch taugt, erscheint fraglich. Über die Größe der Flasche schweigt er sich nämlich aus. Auch im Fasching wird pragmatische Realpolitik gemacht.