Mitten in Dachau Schwarzes Loch im Fahrplan

Was die S-Bahn mit Albert Einstein und Stephen Hawking zu tun hat

Von Walter Gierlich

Schon seit der Antike haben die Menschen versucht, die Zeit zu messen. Anfangs verwendeten sie Sonnenuhren, die nicht nur den Nachteil hatten, dass die Einteilung des Tages in einzelne Abschnitte sehr ungenau war. Sie funktionierten zudem lediglich zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang - und auch das nur, wenn das zentrale Himmelsgestirn nicht von Wolken oder Nebel verdeckt war, also im Dachauer Herbst höchst selten.

Erst als in der frühen Neuzeit mechanische Uhren mit Räderwerk erfunden waren, ließen sich Stunden, Minuten und Sekunden exakt festlegen. Mit zunehmender Verfeinerung der Technik konnten Fahrpläne erstellt und genaue Terminvereinbarungen getroffen werden. Mittlerweile lässt sich die Zeit mit Atomuhren in Nanosekunden und noch kleinere Einheiten zerlegen.

Womit wir bei einem Kernbereich der Naturwissenshaften angelangt wären, der modernen Physik. Und somit bei der Münchner S-Bahn. Das mag jetzt erst einmal nicht ganz logisch und nachvollziehbar klingen, erklärt sich aber so: Albert Einstein hat in seiner Relativitätstheorie die Raumzeit eingeführt, die durch Masse gekrümmt, also aus der geradlinigen Bahn gebracht werden kann. Und der berühmte englische Physiker Stephen Hawking hat in seinem Buch "Eine kurze Geschichte der Zeit" gezeigt, dass Schwarze Löcher, also etwas absolut Unsichtbares, extrem viel Masse haben.

Und nun folgt der Zusammenhang mit der S-Bahn. Auf dem Bahnsteig in Dachau war neulich abends angezeigt, der Zug nach Erding käme in vier Minuten. Die Anzeige sprang auf drei, zwei, eins, null. Was nicht kam, war die Bahn. Die gefühlten Minuten vergingen, die Anzeige blieb standhaft auf null. Die Zeit war offenbar ohne sichtbaren Grund vom geraden Weg abgelenkt worden. Es musste - wie so oft bei der S-Bahn - ein Schwarzes Loch den Fahrplan durcheinander gebracht haben.