bedeckt München 32°

Mitten in Dachau:Sarkasmus auf dem Kipplader

Bauarbeiter haben einen harten Job. Ein Unternehmen wirbt mit einem witzigen Spruch für die Branche

Kürzlich hat der Deutsche Beamtenbund das Ergebnis einer Umfrage bekanntgegeben. Zur großen Freude des Verbands schneiden die Staatsdiener gerade bei jungen Leuten unter 30 sehr positiv ab. Beamte gelten als verantwortungsbewusst und zuverlässig. Auf dem absteigenden Ast sind dagegen Manager und Banker, dafür haben Müllmänner und Dachdecker an Ansehen gewonnen, sogar die Journalisten sind nun wieder besser gelitten. Man würde das auch den Bauarbeitern gönnen, die, anders als die Werbung suggeriert, nicht nur wie braungebrannte Adonisse in der Sonne Brause trinken.

Dieser Tage sah man sie in der Martin-Huber-Straße werkeln zwischen schweren Baumaschinen, der Lärm war ohrenbetäubend, die Luft voller Staub vom abgefrästen Asphalt. Tags dampfte klebrige Hitze vom frisch ausgegossenen neuen Straßenbelag. Und während die Beamten alle schon ihre Büros geräumt hatten, waren immer noch ein paar schwitzende Arbeiter damit beschäftigt, die Bordsteine neu einzuhämmern. Das sieht nicht nur aus wie eine Schinderei, sie ist es auch. Auf dem Kipplader eines Gräfelfinger Tiefbauunternehmens prangte in großen Buchstaben folgender Aufruf: "Wir sind auf der Suche nach Mitarbeitern! Bist du schmerzfrei bei schlechter Bezahlung und einem arroganten Chef, dann brauchen wir genau dich!" Das ist eine erfrischende Ehrlichkeit in einer Welt, in der Arbeitgeber Sekretärinnen mit dem Titel "Assistant Managerin" schmücken, sie aber genau so lausig bezahlen wie den "Key Manager", der früher Hausmeister hieß.

Aber ist diese vermeintliche Ehrlichkeit nicht doch eher Sarkasmus? Der Bezirksverband Oberbayern der Industriegewerkschaft IG Bau hat gerade eine neue Offensive gegen die Ausbeutung in der Bau-Branche gestartet. "Gerade wenn bei gutem Wetter im Sommer besonders viel gebaut wird, setzen Betriebe auf ausländische Arbeitskräfte", sagt der Bezirksvorsitzende, Michael Müller. Häufig bekämen sie nicht den Lohn, der ihnen zustehe, auch Überstunden blieben oft unbezahlt. "Im Kreis Dachau muss jeder, der auf dem Bau arbeitet, mindestens 11,30 Euro pro Stunde bekommen - egal woher er kommt. Gelernte Bauarbeiter haben sogar Anspruch auf einen Stundenlohn von 14,70 Euro." Auf der Homepage www.constructionworkers.eu finden Bauarbeiter nun in 24 Sprachen alle Infos rund um Lohn, Arbeitszeit, Krankheit und Urlaub, teilt die IG Bau mit. Doch statt Pressemitteilungen zu verschicken, wäre es wahrscheinlich klüger von der IG Bau, genauso zu verfahren wie der Bauunternehmer und die Web-Adresse groß auf Baumaschinen zu kleben.