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Mitten in Dachau:Kommunikation ist alles

Dachau ist jetzt zu einer sogenannten Smart City geworden, in der Hausgeräte miteinander kommunizieren können. Doch die Stadtspitze weiß nichts davon

Sprechende Mülltonnen, kommunizierende Autoreifen und vernetzte Wasserzähler - diese Dinge sind möglich in einer sogenannten "Smart City". Dieses Label darf sich auch Dachau bald anheften. Zumindest, wenn es nach dem Telekommunikationsanbieter Vodafone geht. Anfang Oktober weitete Vodafone die digitale Infrastruktur des "Internets der Dinge" (englisch "Internet of Things", kurz "IoT") auf Dachau aus. Über das "Maschinennetz", wie Vodafone die neue Hardware nennt, können Geräte und Gegenstände untereinander Informationen austauschen und so miteinander kommunizieren.

Die Mülltonne gibt Bescheid, wenn sie voll ist, sodass die Stadtreinigung erst dann ausrücken muss. Sensoren auf den Tischen und in den Böden von Büroräumen erspüren, ob hier gerade wirklich jemand arbeitet. Wasserzähler geben ihren Zählerstand selbst durch und der gehetzte Berufstätige muss nicht drei Stunden auf den Handwerker warten. Dieser Austausch ihrer binären Gedanken macht sie zu intelligenten Mülltonnen, Wasserzählern und Gebäuden und die digitalisierte Stadt smarter und kontrollierbarer denn je.

Die im Schatten der Landtagswahl neu an den stehenden Mobilfunkmasten angebrachte Hardware ist im ganzen Dachauer Stadtgebiet einsatzbereit. Die intelligenten Voraussetzungen sind geschaffen, doch die intelligente Kommunikation von Mensch zu Mensch, so digital sie auch sein mag, lässt zu wünschen übrig. Maschinennetz? Nie gehört. Internet der Dinge? Was soll das sein, geht es dabei um Glasfaserkabel? So die Antworten von Oberbürgermeister Florian Hartmann und des stadteigenen Netzbetreibers Citicom. "Wie erwartet Vodafone, dass wir davon erfahren?", fragt sich der Rathauschef, nachdem man ihm eine Pressemitteilung vorlegt, die Vodafone vor Kurzem in die Redaktion geschickt hat.

Die Antwort ist simpel, aber doch so ungreifbar, wie die Daten, die vernetzte Geräte austauschen: Gar nicht. Es sei das "Henne-Ei-Problem", erklärt Tobias Krzossa. Er ist Pressesprecher bei Vodafone. Zuerst müsse die Infrastruktur da sein, dann könnte man sich der Kooperation mit Stadt und Unternehmen widmen. Bisher wird noch still und leise sendend auf Anfragen von städtischen Dienstleistern gewartet. Auch die Stadt Dachau wartet auf eine Erklärung, wie man mit der ganzen Intelligenz denn nun umgehen könne. "Wenn Vodafone da mal nicht die Rechnung ohne den Wirt gemacht hat", kommentiert Hartmann. Die Installation des Maschinennetzes in Dachau ist bisher kostenlos und zwitschert fröhlich vom hohen Mast hinab. Irgendwann jedoch wird Dachau unwissentlich vernetzt sein. Weil die Unternehmen es sind. Und auch die Bürger, die Kühlschränke haben, die selber einkaufen.

© SZ vom 19.10.2018
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