Mitten in Dachau:Die Zeichen der Zeit

Die Uhr in der CSU-Geschäftsstelle Dachau geht nach. Das wird doch kein schlechtes Omen sein. Immerhin hat der Parteivorsitzende, Ministerpräsident Markus Söder, gewarnt: "Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit"

Kolumne von Julia Putzger

Die Hände tief in die Manteltaschen gesteckt, Kopf und Hals soweit als möglich in den dicken Schal gemummelt - wer jetzt draußen unterwegs ist, muss sich warm anziehen. Bei Temperaturen im einstelligen Bereich scheinen Sommer ebenso wie der goldene Herbst in weite Ferne gerückt. Der Winter naht. Nur noch 33 Tage sind es bis zum Heiligabend, wer es noch genauer wissen will, kann online den Countdown mitverfolgen - auf die Sekunde genau. Weitaus weniger exakt, um nicht zu sagen gänzlich falsch, ist dafür die digitale Anzeige der Dachauer Sparkasse am Sparkassenplatz. Vor den Augen der frierenden Passanten flimmern die Zahlen übers Display - 14 Grad Celsius soll die Lufttemperatur an diesen kalten Novembertagen angeblich betragen. Hätte die Anzeige ein Gesicht, so würde sie wohl höhnisch grinsen. Da bleibt nur die Hoffnung, dass die Sparkasse die Zinssätze ihrer Kunden mit mehr Sorgfalt berechnet. Das tut sie, weshalb der Anleger jetzt nicht auf eine unbeabsichtigte Erhöhung des Zinssatzes zu hoffen braucht.

Doch nicht nur digitale Anzeigen sind fehleranfällig. Auch die Dachauer CSU - oder zumindest ihre Uhr in der Geschäftsstelle in der Altstadt - scheint ein bisschen zurückgeblieben. Die Bildschirme in den Schaufenstern zeigen die Aktionen der Partei im Landkreis, das aktuelle Wetter und die Uhrzeit an - nur eben mit einer Verspätung von (genau) 17 Minuten. Wie kam es wohl dazu? An den schlechten Wahlergebnissen kann es doch nicht liegen, an einem Fehler bei der Zeitumstellung wohl auch nicht. Hoffentlich bemerkt die CSU den Fehler - vor dem Wähler. Denn wie sagte der Parteivorsitzende und Ministerpräsident Markus Söder neulich seinem Parteivolk: "Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit." Nicht dass etwa die Dachauer CSU-Uhr ein tragisches Schicksal anzeigt. Sein Vorgänger, Bundesinnenminister Horst Seehofer, hatte die Zeichen der Zeit schon 2012 prophetisch gedeutet, bei einem Besuch in der Schweiz: "Ein bisschen mehr Schweiz könnte uns Bayern guttun." Schließlich ist die Schweiz doch dafür bekannt, dass ihre Uhren auf die hundertstel Sekunde genau gehen.

© SZ vom 20.11.2019
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