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Mitten in Dachau:Des schaun mer uns o

In Dachau wird so viel gebaut, da verliert man schon mal den Überblick. Aufmerksame Stadträte haben jetzt den Glaskasten auf der umgebauten Koschadeklinik entdeckt - und reiben sich verdutzt die Augen. Entsteht da ein Schwarzbau? Oder kann sich nur wieder keiner an die gefassten Beschlüsse erinnern?

In Dachau wird soviel gebaut, dass man leicht den Überblick verlieren kann. Dabei hat der Oberbürgermeister von seinen Büros eigentlich eine gute Sicht auf alles. Manchmal reicht es, vor dem Rathaus zu stehen, vielleicht auf der Treppe vor dem alten Eingang oder auch vor dem Zieglerbräu und den Hang hinab zu sehen, um Dinge zu entdecken, die sich gegen den blauen Dachauer Himmel irgendwie merkwürdig ausnehmen.

Dieser Glaskasten ganz oben auf dem Dach der umgebauten Koschadeklinik zum Beispiel. "Das sieht mir nicht nach einem temporären Aufbau aus", bemerkt Stadtrat Norbert Winter (Bürger für Dachau) in der Sitzung des Bauausschusses. Was ist das? Ein Atelier? Ein erweitertes Dachgeschoss? Und hat das irgendjemand genehmigt? Überraschte und betroffene Gesichter am oberen Ende des Sitzungstisches. Gut, die Bürofenster des Stadtbauamtsleiters zeigen nach Südwesten, er hat die Amper im Blick. Meistens aber wahrscheinlich Pläne zu ganz anderen Projekten, die erst auf dem Papier entstehen. Und auch ein Oberbürgermeister, der Hundewiesen einweihen, den Tag des Baums begehen und nachdenkliche Reden zu Gedenkfeiern halten muss, kann seine Augen nicht überall haben. Genügend aufmerksame Stadträte aber haben den Aufbau auf dem zukünftigen Wohnhaus mit dem protzigen Namen "Schlossbergterrassen" bemerkt und wollen nun wissen: Entsteht da etwa ein Schwarzbau? Oder kann sich nur wieder keiner an die gefassten Beschlüsse erinnern?

Claus Webers (FW) Vorschlag, an diesem Frühlingstag die Sitzung des Bauausschusses für einen Moment zu einer Stehveranstaltung auf den Rathausvorplatz zu machen, um gemeinsam den Hang hinunter zu gucken, findet kein Gehör. Es ergeht eine salomonisch-bayerische Antwort: "Des schaun mer uns o."

© SZ vom 05.05.2018
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