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Mitten in Dachau:Der Sport stiftet Freundschaften

Empfang

Empfang für die Gäste aus Oradour und Israel im Rathaus.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Am Beginn der Beziehungen zwischen Dachau und dem französischen Oradour stand ein Fußballspiel. Erstmals nahmen am Bergkriterium jetzt israelische Radsportler teil. Landrat Stefan Löwl spricht von einem Brückenschlag

Von Benjamin Emonts

Der Sport vermag Menschen zu verbinden, wie das diesjährige Radrennen in Dachau eindrucksvoll bewiesen hat. Noch mehr sogar: Er vermag, Barrieren abzubauen und jahrzehntelanges Schweigen zu brechen. So geschehen im Jahr 2009: Damals kamen Schüler des Josef-Effner-Gymnasiums ins französische Oradour und spielten dort mit Gleichaltrigen Fußball. Es war der erste Kontakt der beiden Städte nach dem Zweiten Weltkrieg. Eine Kompanie der SS-Division "Das Reich" hatte am 10. Juni 1944 642 Männer, Frauen und Kinder in Oradour erschossen und verbrannt. Seit der Jugendbegegnung besteht der Kontakt fort und hat sich vom Sport auf die politische Ebene ausgeweitet. 2014 fuhren 40 Dachauer, darunter viele Mitglieder des Radsportvereins Soli, sieben Tage lang mit dem Fahrrad bis ins 1200 Kilometer entfernte Oradour und setzten mit ihrer sportlichen Betätigung ein Zeichen der Freundschaft und Versöhnung.

Nun, beim diesjährigen Radrennen, waren die Franzosen zu Besuch in Dachau. Unter den 33 Gästen waren nicht nur vier Jugendliche, die am Radrennen teilnahmen. Es war auch ein Dutzend Mitglieder der Association Nationale des Familles des Martyrs d' Oradour-sur-Glane, Angehörige derer, die dem Massaker der Nazis im Juni 1944 zum Opfer gefallen waren. Der Präsident des Vereins, Claude Milford, sagte am Rande des Rennens, der Besuch in Dachau sei ein weiterer Schritt zur Versöhnung. Es gebe das Deutschland von damals und jenes von heute, "jenes der Nazis und jenes, das Verständnis für uns hat und mit dem wir uns austauschen".

Wäre der Sport nicht, wäre auch das Nationalteam aus Israel mit fünf jugendlichen Radfahrern nicht nach Dachau gekommen. "Wir sind hier, um eine neue Ära der Solidarität zu symbolisieren", sagte der Präsident des israelischen Radsportverbands Yoni Yarom. Landrat Stefan Löwl pflichtet ihm bei: Der Besuch sei ein starkes Symbol 50 Jahre nach Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und Deutschland. "Der Sport kann eine Brücke bauen für die Jugend, für die Zukunft. Für Dachau ist das besonders wichtig."

© SZ vom 17.08.2015
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