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Machbarkeitsstudie:Ein erster Schritt

Die Brücke soll auch daran erinnern, dass Ludwigsfeld auf dem Gelände eines KZ-Außenlagers entstanden ist. Bisher gibt es nur Vorstudien. Simulation: SWECO/LHM

Seit Jahrzehnten fordern Anwohner eine Fuß- und Radbrücke über den Würmkanal. Jetzt legt die Stadt eine Studie dazu vor

Von Jerzy Sobotta, Siedlung Ludwigsfeld/Karlsfeld

Dass ihre Siedlung isoliert und schlecht angebunden ist, beklagen die Ludwigsfelder schon seit jeher. Zumindest den Weg ins benachbarte Karlsfeld könnten sie in absehbarer Zukunft deutlich schneller und angenehmer zurücklegen: mit einer neuen Brücke für Fußgänger und Radfahrer über den Würmkanal. Vier Jahre lang hat die Stadt verschiedene Möglichkeiten untersucht und legt nun das Ergebnis einer Machbarkeitsstudie vor. Darin ist eine bis zu 230 000 Euro teure Brücke über den Würmkanal vorgesehen, zu der ein ebenfalls neuer Radweg entlang des Schwabenbächls führt. Er soll an der Dachauer Straße beginnen und auf der Westseite des Bachs bis zur Einmündung in den Kanal verlaufen, der an dieser Stelle überquert wird. Das Ufer des Schwabenbächls wird im Zuge der Bauarbeiten verschönert und umgestaltet.

Die Studie bezieht auch die Geschichte der Siedlung mit ein, die auf dem Gelände eines früheren KZ-Außenlagers entstanden ist. Das künstlerisch gestaltete Brückengeländer wird an die NS-Vergangenheit erinnern. Außerdem sollen zwei Erinnerungs- und Aufenthaltsorte an der Route entstehen: einer gleich bei der Brücke und ein zweiter südlich auf der Höhe Rubinstraße, wo heute noch die Reste einer Brücke aus der NS-Zeit zu sehen sind. Auch hier wird ein Übergang über das Schwabenbächl die Siedlung mit dem neuen Radweg verbinden und an den Weg der Zwangsarbeiter aus dem KZ Dachau ins Außenlager erinnern.

Seit über zwei Jahrzehnten setzen sich Anwohner und der Bezirksausschuss Feldmoching-Hasenbergl für die Brücke ein. Igor Maga, der bereits verstorbene Dieter Hoffmann und einige Nachbarn hatten die Streckenführung bereits vor rund zwei Jahrzehnten vorgeschlagen. "Es ist eine großartige Sache, wir sind sehr glücklich, dass die Brücke entstehen soll", sagt Maga. Man habe viel Unterstützung bekommen, von der Pfarrei Sankt Anna in Karlsfeld und vom KZ-Überlebenden Max Mannheimer, der 2016 gestorben ist. Er habe sich für eine direktere Verbindung zwischen der KZ-Gedenkstätte Dachau und dem ehemaligen Außenlager in der Siedlung Ludwigsfeld ausgesprochen, berichtet Maga.

Bis die Brücke tatsächlich steht, könnte es allerdings noch dauern. Das städtische Planungsreferat muss noch die Details ausarbeiten und mit den Nachbarn über die nötigen Grundstücke verhandeln. Ein fertiger Entwurf soll anschließend vom Stadtrat abgesegnet werden. Ein genauer Zeitplan wird nicht genannt.

© SZ vom 06.08.2020
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