Leuchtturmprojekt der Region Mittlerer Ring für Radfahrer

Mit Tempo 30 ohne Ampeln und Kreuzungen unterwegs: Radschnellwege bieten freie Fahrt.

(Foto: Swen Pförtner/dpa)

Planungsverband will Schnellwege-Konzept vorantreiben, langfristig soll auch Dachau davon profitieren. Entlang der S-Bahn ist eine Route vorgesehen

Von Klaus Bachhuber und Jacqueline Lang, Dachau/Eching

Die geplanten Radschnellwege in und um München sollen zu einem Leuchtturmprojekt für die Region werden. Der Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum, ein Zusammenschluss der Kommunen im Großraum München, sieht in den Planungen enormes Potenzial und eine Vorbildwirkung für das gesamte Bundesgebiet. Daher müsse die gesamte Region die Pläne "als positiven Impuls begreifen", warb Birgit Kastrup vom Planungsverband am Mittwoch bei der Vollversammlung im Echinger Bürgerhaus. Auch die Stadt München sei mit Feuereifer dabei, versicherte ihr Radverkehrsbeauftragter Florian Paul. Für die Stadt nehme das Projekt "eine Kernrolle" ein.

Mit 30 Stundenkilometern ohne Ampeln, ohne Kreuzungen und ohne Gefährdung durch Autos dahinradeln, auf bestem Untergrund, mit Beleuchtung und wenn nötig vom Winterdienst geräumt - das ist die Vision der Radschnellwege. Mit dem Pilotprojekt einer Trasse vom Münchner Hauptbahnhof bis zum Garchinger Forschungsgelände und einer Abzweigung von Hochbrück in Richtung Unterschleißheim startet der Planungsverband in die Zukunft - Ziel ist es, das Fahrrad für Pendler attraktiver zu machen. Selbst bei einem moderateren Tempo von 20 Stundenkilometern sei die Strecke Garching - München in 30 Minuten zu schaffen und ist somit eine Alternative zu Bahn oder Stau auf der Straße.

Interkommunale Zusammenarbeit

Während sich der Planungsverband ab der Stadtgrenze schon auf eine Route festgelegt hat, werden innerhalb Münchens derzeit die Varianten Richtung Hauptbahnhof untersucht, die ab dem Mittleren Ring viele Möglichkeiten beinhalten - und alle sind wegen der Raumnot nicht unproblematisch. Parallel zu der Detailplanung wolle die Stadt aber in größeren Dimensionen vorankommen, berichtete Paul. Noch im Dezember soll der Stadtrat die Studien für fünf weitere Achsen ins Umland in alle Himmelsrichtungen beschließen und als neuesten Ansatz auch einen Ring um die Stadt - perspektivisch sogar einen Ring, der weit über den Mittleren Ring hinausgeht. Somit soll nicht nur radial, sondern auch tangential das Streckennetz für Radfahrer ausgebaut werden. Einhergehen müsse mit dieser Verzahnung "die Intensivierung der interkommunalen Zusammenarbeit", so sein Appell.

Dachau muss noch warten

Die Dachauer werden auf ihren Radschnellweg jedoch trotzdem noch einige Zeit warten müssen: Insgesamt gibt es 14 Korridore und drei potenzielle Ergänzungen, die der Planungsverband definiert hat. Der Beschluss, der in der geplanten Vollversammlung verabschiedet wird, soll zwar eine vertiefte Potenzialuntersuchung für fünf dieser Korridore, darunter auch Dachau, in Auftrag geben, aber ob und wann dann der Radweg entlang der S-Bahnstrecke umgesetzt wird, ist noch völlig unklar.

Paul hofft, dass die Stadt zeitnah neue Stellen schafft, denn mit mehr Personal könne man auch "mehr Zug hinter die Sache bringen". Im Idealfall wird so nicht erst die Pilotstrecke nach Garching fertiggestellt, bevor Dachau einen eigenen Radschnellweg bekommt. Auch hierzu könne man aber wohl erst Anfang des neuen Jahres mehr sagen, sagt Paul.

Anknüpfend an die feststehende Route zum Garchinger Forschungszentrum und damit an die Landkreisgrenze möchte der Landkreis Freising den Schnellweg bis Freising fortsetzen. "Ganz sinnvoll" nannte dies Kastrup. Eching, Gastgeber der Vollversammlung, überlegt als direkter Nachbar von Garching parallel dazu eine unmittelbare Anbindung an die Route. Bei der Umsetzung gehe es jetzt schon ans Eingemachte, schilderte der Münchner Landrat Christoph Göbel als Vorsitzender des Planungsverbandes. Standards der Radschnellwege müssten in dem Pilotprojekt definiert werden, die Vernetzung mit den örtlichen Radwegenetzen einerseits und mit Bussen und Bahnen andererseits soll optimiert werden nach dem sogenannten Bike & Ride Prinzip - und dann geht's auch ums Geld. Die Kommunen dürften bei derartigen Projekten nicht allein zur Kasse gebeten werden.

Für die zehn Kilometer vom Stadtrand Münchens bis Garching werden inklusive der Abzweigung nach Unterschleißheim Kosten von über 30 Millionen Euro prognostiziert. Kastrup begründete die horrende Summe mit der Sicherstellung der Standards, also zum Beispiel der kreuzungsfreien Querungen aller Straßen. Göbel rief daher vorsorglich schon mal dazu auf, "auch den Mut zu haben, mit niederen Standards zu beginnen", um nur überhaupt die Trassen zu etablieren.

Angesichts der zu erwartenden Schwierigkeiten, etwa beim Grunderwerb oder der Finanzierung, warb der Planungsverband um eine positive Stimmung für das Projekt, die über eventuellen Gegenwind hinweghelfen solle.