bedeckt München 20°

Kommentar:Zügig am Stau vorbei

Mit dem Vorschlag für eine dritte S-Bahnlinie versucht die Kreis-CSU an alte Erfolge in der Verkehrspolitik anzuknüpfen, die mit der Rettung des "Bummerls" nach Altomünster in den Achtzigern ihren Anfang nahm

Die Frage stellte sich schon, als Gerda Hasselfeldt, die Dachauer CSU-Bundestagsabgeordnete und Landesgruppenchefin ihrer Partei in Berlin, zur Rettung der Linie A 2 ansetzte und den S-Bahn-tauglichen Ausbau zur S 2 von München nach Dachau durchsetzte. Was würde Ludwig Thoma Jozef Filser sagen lassen, dass die CSU jetzt den S-Bahn-Traum wiederholen will, der sich nicht erst im Rückblick als die wohl entscheidende Weichenstellung für den gesamten Landkreis herausgestellt hat? Filser und die Lokalbahn - auch wenn ziemlich klar ist, dass Thoma die Eisenbahnstrecke bei Traunstein im Hinterkopf hatte - gehören zum Landkreis. Die Verbindung lassen sich die Dachauer nicht nehmen. Was also würde Filser seiner Mari mitteilen? Vielleicht, dass er "mit weemut in der lokalban mitfaren ist", weil die letzte Gemütlichkeit verschwunden sein wird.

Damit die zahlreichen Zugezogenen die Bedeutung der Frage nachvollziehen können, muss die Vorgeschichte kurz erzählt werden. Als die Lokalbahn in den Achtzigerjahren gemütlich nach Altomünster tuckerte, wollte die Bundesbahn die Trasse auflassen. Da griff der Landkreis zu der einzig möglichen Gegenmaßnahme. Er beteiligte sich am Kauf von modernen Zuggarnituren. Jahrzehnte später wurde die Strecke zu einer der wichtigsten Gelenkstücke innerhalb der gesamten Region erklärt. Jozef Filser war ein schlauer Mann, der er in den Thoma-Geschichten, die als "Briefwexl" veröffentlicht wurden, hinter einer waghalsigen Orthografie tiefsinnige Einsichten verbarg. Vielleicht würde er wie einst an den Oekonom Jakob Absreiter schreiben: "Die Hauptsach ist, das mir eine Eisenbahn nach Mingharting krigen, und ich will schon meinen ganzen Einflus ferwenden und nachschieben, das die Großkopfeden nicht wieder darauf fergessen."

Nüchterner formuliert Wolfgang Offenbeck, der CSU-Fraktionsvorsitzende im Dachauer Kreistag, den politischen Anspruch: "Wenn wir selbst nichts machen, dann geht nichts weiter." Dazu formuliert der ÖDP-Kreisrat Georg Weigl geradezu filserisch seine diebische Freude: "Am besten bauen wir die S-Bahn nah an die A 8, damit die im Stau mitbekommen, wie schnell unsere Züge sind."

© SZ vom 29.04.2017
Zur SZ-Startseite