Kommentar Theoretisch eine gute Idee

Seilbahnen könnten helfen, den Verkehrsinfarkt zu verhindern. Doch es fehlen die gesetzlichen Grundlagen für solche Projekte

Von Viktoria Großmann

So charmant die Idee einer Seilbahn im öffentlichen Nahverkehr klingt, so sehr weist sie auf die eklatanten Probleme im Münchner Verkehrsnetz hin. Grundsätzlich freut sich der vom Verkehr genervte Bewohner der Metropolregion über jede Idee, die Pendlerströme flüssiger zu gestalten. Seilbahnen können relativ schnell und kostengünstig errichtet werden. Die Fahrgäste haben keine Wartezeiten, keinen Stau, gute Sicht. Seilbahnen sind leise, vergleichsweise umweltfreundlich, gelten als sehr sicher, brauchen wenig Personal. Klingt alles nach einer großartigen Idee.

Theoretisch. Praktisch fehlt dazu jegliche gesetzliche Grundlage. Die Erfahrung zeigt, dass das in Deutschland aber das Wichtigste ist. Argumente der Gegner kann man sich auch vorstellen: Verschandelung der Landschaft durch Pfeiler und Drähte, mögliche Gefahren. Eine berechtigte Sorge lautet also: Bindet die Idee, Seilbahnen für den öffentlichen Nahverkehr zu bauen, möglicherweise Zeit und Ressourcen, die für andere, realistischere Projekte gebraucht würden?

Es ist nicht so, dass es keine klugen Verkehrsplaner gäbe. Es fehlt und fehlte in der Vergangenheit an klugen Politikern. Den Verkehrsinfarkt haben die Kommunen und der Freistaat sehenden Auges selbst herbei geführt. Warnungen sind Jahrzehnte alt, sinnvolle und auch von der Bevölkerung gewünschte Lösungen werden genauso lange nicht umgesetzt. Obwohl es Gleise gibt, fahren auf dem Nordring in München keine Personenzüge. Obwohl seit mindestens fünf Jahren über Fahrradschnellwege gesprochen wird, ist im Freistaat noch nicht klar, aus welchem Topf die eigentlich finanziert werden sollen. Wo soll da das Vertrauen herkommen, dass in absehbarer Zeit Seilbahnen eine Entlastung schaffen? Verantwortliche im Freistaat sind sich weiterhin nicht zu blöd, eine dritte Startbahn für einen Flughafen zu fordern, dessen Anbindung an die Stadt einfach nur beschämend ist. Es ist gut, dass sich die Dachauer mit ihrer Seilbahnidee einbringen. Noch wichtiger und hilfreicher wäre es, wenn naheliegende Lösungen endlich umgesetzt werden würden.