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Kommentar:S-Bahn statt Auto

Der Ausbau der S-Bahnlinie 2 nach Altomünster hat sich gelohnt: Mehr Autofahrer steigen in den Zug um. Nun müsste das Angebot nur noch zuverlässiger werden

Man kann es an vielen Bahnhöfen der S 2 Altomünster sehen: Seit auf der Strecke elektrifizierte Züge fahren, stehen auf den Park-and-Ride-Plätzen mehr Autos als vorher. Die Stellplätze am Dachauer Bahnhof sind andererseits nicht mehr so dicht besetzt, weil viele Pendler schon vor den Toren der Stadt in die S-Bahn steigen. Beide Beobachtungen sind ein Indiz dafür, dass die modernisierte S-Bahn mehr Fahrgäste anlockt. Die Bahn spricht von Zuwächsen im zweistelligen Bereich, die sich aus den Ticketverkäufen ablesen lassen. Ein Halbstundentakt im Berufsverkehr, mehr und meist umsteigefreie Verbindungen von und nach München, die Anbindung der Linie an das gesamte S-Bahn-Netz - das im Vergleich zur Linie A verbesserte Angebot macht die S-Bahn-Strecke attraktiver für Pendler. Viele steigen vom Auto auf die S-Bahn um und entlasten den Straßenverkehr. Der vom Sturm Niklas lahm gelegte Zugbetrieb hat gerade erst wieder gezeigt, welche Bedeutung der Nahverkehr im Ballungsraum München hat: Wenn bei der S-Bahn nichts mehr geht, bricht auf den Straßen noch mehr Chaos aus.

Größere Probleme gab es auch nach dem Start der S 2 Altomünster. Immer wieder kam es zu Zugausfällen und Verspätungen, weil die Technik an den Bahnübergängen nicht funktionierte. Besonders viel Unmut löste der Übergang in Schwabhausen aus, der für Autofahrer zur Sprungschanze wurde. All das war wohl auch dem Zeitdruck geschuldet, unter dem das Projekt von Anfang an stand. Die meisten Schwachstellen sind mittlerweile behoben, die S 2 Altomünster fährt jetzt ungefähr so pünktlich wie die Züge auf den anderen Linien im S-Bahn-Netz. Sagt die Bahn. Wenn der Landkreis es schafft, die Zubringerbusse mit den Fahrtzeiten der S-Bahn besser abzustimmen, werden noch mehr Pendler ihr Auto zu Hause lassen.

© SZ vom 08.04.2015