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Kommentar:Für die eigenen Einwohner bauen

Auch wenn man den neuen Mietspiegelindex anzweifelt, so bleibt doch eine Wahrheit: Karlsfeld wird immer teurer. Und die Angst der Einheimischen ist durchaus berechtigt.

Von Christiane Bracht

Karlsfeld ist berühmt. Seit die Statistik über die hohen Mieten im Ort veröffentlicht wurde, ist die Gemeinde bundesweit im Gespräch. In Karlsfeld selbst ist man einerseits begeistert über so viel Aufmerksamkeit, andererseits macht sich ein mulmiges Gefühl breit. Die Preise sind schon länger ein Problem für die Einheimischen. Jedem hier ist klar, dass Karlsfeld nicht das neue Pullach oder Gräfelfing ist. Die Statistik scheint geschönt. Die Orte im Münchner Süden sind zu klein, um in der Statistik aufgeführt zu werden. Der Vergleich mit München hinkt. Nicht nur weil Mietspiegel unterschiedlicher Jahrgänge als Grundlage für das Ergebnis herangezogen wurden, sondern auch weil der Anteil an Mietwohnungen in der Großstadt weitaus höher ist, als der in Karlsfeld.

Traditionell stehen in der 22 000-Einwohner-Gemeinde im Norden von München vor allem Eigenheime. Zwar sind in jüngster Zeit viele Wohnungen dazu gekommen, doch die meisten sind eher Eigentumswohnungen, die Investoren im großen Stil errichtet haben. Die Karlsfelder wollten damit ihren Kindern die Möglichkeit bieten, im Ort bleiben zu können. Doch nur wenige konnten sich dies leisten. Stattdessen kamen Münchner. Die Preise stiegen. Und mit jedem Projekt, das fertig wurde - Neue Mitte, westlich der Bahn oder auch an der Karl-Theodor-Straße - ist wohl auch der Mietspiegel in Karlsfeld gestiegen. Die Neubaugebiete hier haben ein ganz anderes Gewicht, als vergleichbare in der Großstadt, wo immer noch sehr viel Altbestand ist.

Auch wenn man diese Statistik anzweifelt, bleibt eine Wahrheit: Karlsfeld wird immer teurer. Und die Angst derer, die ihr ganzes Leben in dem Ort verbracht haben, dass ihre Kinder weit wegziehen müssen, weil sie sich ein Leben hier nicht mehr leisten können, ist berechtigt. Dem entgegenzusteuern, ist eine wichtige Aufgabe der Gemeindepolitik - wenn auch keine leichte. Es ist höchste Zeit, nicht nur großen Investoren zu vertrauen, die noch mehr Wohnungen bauen und ein paar Gewerbebetriebe anlocken wollen, sondern den Blick in die Zukunft zu richten. Zwar sind die Steuergelder wichtig, damit die Gemeinde handlungsfähig bleibt, aber noch mehr betuchte Fremde anzuziehen, macht die Situation nicht leichter. Es gilt, großen Wert auf günstige Wohnungen zu legen.

© SZ vom 23.02.2019
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