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Neue Mitte in Karlsfeld:Ein Treffpunkt für Jugendliche fehlt

Jugendliche haben in Karlsfeld keinen Platz, wo sie sich treffen können.

(Foto: Toni Heigl)

Lärmende Teenager aus dem Karlsfelder Ortszentrum zu vertreiben, ist keine Lösung des Problems. Die jungen Leute brauchen Freiräume, in denen sie sich sicher fühlen

Jugendliche können ohne Zweifel anstrengend sein. Laute Musik, Unflätigkeiten, cool sein - all das ist typisch. Und natürlich provozieren sie auch gerne. Das weiß jeder, der selbst einmal jung war. Verständlich, dass manch ein Anwohner der Neuen Mitte aufgebracht ist, wenn die Teenager sich gerade ihm gegenüber beweisen wollen. Der Ruf nach einem Sicherheitsdienst, der die Jugendlichen verjagt, wie zumindest ein Anwohner es fordert, ist aber sicher nicht die Lösung des Problems. Das hat sich ja bereits im Sommer gezeigt. Die Securitys haben zwar eifrig alle Jugendlichen vom See vertrieben, doch niemand hat ihnen eine Alternative geboten. Jetzt sollen sie wieder fortgescheucht werden. Aber wohin? Die Schüler klagen zurecht. Und es ist auch kein Wunder, wenn sie sich unerwünscht fühlen und vielleicht aus diesem Empfinden heraus manchen Unsinn anstellen. Das Problem dieser Auseinandersetzungen und Nervereien mit den Anwohnern sind nämlich eigentlich gar nicht Teenager. Das Problem ist wohl eher, dass sie keinen Platz haben, wo sie sich ungestört treffen können und an dem sie sich gleichzeitig sicher fühlen. Ein Versäumnis der Gemeinde, über das offenbar noch niemand nachgedacht hat.

Klar, kann man sagen: Geht ins Jugendhaus. Aber nicht jeder Schüler mag dort hin. Die Elf- bis 18-Jährigen müssen auch andere Orte haben, wo sie ohne Aufsicht am Nachmittag abhängen, Musik hören oder sich austoben können. In der Schule und zu Hause sind sie schon immer unter Aufsicht. Jugendliche brauchen Freiräume und diese sollten auch so sein, dass sie sich dort sicher fühlen. Bolzplätze gibt es zwar schon, aber diese sind außerhalb und nicht beleuchtet. Die Kinder und Jugendlichen fühlen sich dort nicht wohl. Charide Christin von der Ahe, der neuen mobilen Jugendarbeiterin, haben die Schüler das sofort anvertraut. Sie scheint die einzige zu sein, die sich wirklich mit den Elf- bis 18-Jährigen auseinander gesetzt hat. Die meisten anderen wollten die Gruppen nur vertreiben. Dabei sollte es doch im Sinne aller Eltern sein, sichere Plätze für die Heranwachsenden zu finden. Schließlich will ja niemand, dass den Teenagern was passiert. Gut, dass es von der Ahe nun gibt.

Wie sehr eine Streetworkerin in den vergangenen zwei Jahren gefehlt hat, zeigt sich gerade an dieser Auseinandersetzung. Doch für die Gemeinde fangen die Hausaufgaben jetzt erst an: Es gilt einen sicheren und gut erreichbaren Platz für die Jugendlichen zu finden.

© SZ vom 07.11.2019
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