"Es wurde viel gespottet" Die Zeitzeugin

SPD-Fraktionssprecherin Hiltraud Schmidt-Kroll.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Hiltraud Schmidt-Kroll begleitet die Ortsplanung seit 32 Jahren

SPD-Fraktionssprecherin Hiltraud Schmidt-Kroll ist dienstälteste Gemeinderätin in Karlsfeld. Sie hat schon viele Investoren kommen und gehen sehen.

"Der Weg der Gemeinde zu einem Ortszentrum geht nun nach mehr als 40 Jahren zu Ende, und darüber bin ich sehr froh. Es gab viele Höhen und Tiefen, es mussten sehr viele Kompromisse gemacht werden; es gab sehr viele Streitigkeiten und juristische Auseinandersetzungen. Aber in 40 Jahren verändert sich viel, nicht nur der Bebauungsplan, sondern auch das Kauf- und Wohnverhalten der Leute.

Der Gemeinde wird ja immer wieder vorgeworfen, sie sei dumm gewesen, das Grundstück an der Gartenstraße zu verkaufen. Aber es hat ihr nie gehört. Nicht ein einziges Mal hatten wir eine Chance, es zu erwerben. Im Jahr 2000 wurde der erste Bebauungsplan erstellt. Mit der Planung hatte der private Grundstücksbesitzer damals Professor Fauser beauftragt. Der Plan war sehr schön und fand die Zustimmung des ganzen Gemeinderats. Damals war die Bebauung noch etwas lockerer vorgesehen, aber es gab auch ein höheres Gebäude. Das "Türmle", hat Professor Fauser immer gesagt. Wir waren guten Mutes, dass das etwas wird. Es hat leider nicht geklappt.

Dann kamen die Pläne mit einem Versorgungsmarkt. Wir haben mal angeschaut, wie so ein Markt ausschaut und das war, gelinde gesagt, eine Katastrophe. 2007 kam die HIH mit einer größer dimensionierten städtischen Planung. Anfangs sah es ganz gut aus, aber 2008 hatten wir die offene Baugrube und den Stillstand. Es gab viele Vorwürfe an die Gemeinde, aber nach meiner persönlichen Ansicht waren die vorgeschoben. Die Investoren hatten sich einfach vergaloppiert. Langsam eroberte sich die Natur die Baugrube zurück; es siedelten sich sogar seltene Pflanzen an. Jemand säte mit Grassamen ein Herz, dann stand ein Sonnenschirm mit Stuhl da, als könnte man dort Urlaub machen. Bayernweit wurde viel gespottet über unser Loch. Verschiedenste Ideen wurden entwickelt, was man daraus machen könnte vom Schwimmbad bis zum Eisstadion.

Es war mir peinlich, dass die Ortsmitte wieder nicht geglückt war. Das Loch war wie ein Zeichen des Versagens. Die neuen Investoren bauten mehr Wohnungen als die HIH geplant hatte. Die Wohnungen brauchen wir auch. Ich persönlich freue mich, dass ich jetzt nicht mehr zum Aldi nach Dachau-Süd fahren muss."