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Er pflegte kranke Häftlinge:Richard Henkes wird selig gesprochen

Henkes pflegte Kranke im KZ Dachau und steckte sich dabei an.

(Foto: Pallottiner)

Der Pallottinerpater war fast zwei Jahre im KZ Dachau, wo er an Typhus starb

Es ist die erste Seligsprechung im Bistum Limburg. Geehrt wird der Pallottiner Richard Henkes, der sich in Predigten den Nazis widersetzte und im KZ Dachau starb. Die Seligsprechung wird Kardinal Kurt Koch vollziehen.

Es war eine weitreichende Entscheidung von Papst Benedikt XVI. im Jahr 2005: Damals verfügte er, dass Seligsprechungen künftig in den Ortskirchen und nicht mehr in Rom vorgenommen werden sollen. Von dieser Entscheidung profitiert nun auch das Bistum Limburg. Am Sonntag, 15. September, wird dort nun die erste Seligsprechung in der Diözese gefeiert.

Henkes, der 1900 im Westerwaldort Ruppach geboren und 1925 in Limburg zum Priester geweiht wurde, hatte das christliche Menschenbild auch gegenüber den Nazis verteidigt. Seit 1931 war er als Prediger und Exerzitienleiter in Oberschlesien tätig. Mehrmals wurde er wegen regimekritischer Predigten bei der Gestapo angezeigt. Im April 1943 verhaftete man ihn schließlich in Ratibor wegen "Aufwiegelung des Volkes von der Kanzel" und brachte ihn ins Konzentrationslager Dachau. Am 22. Februar 1945 starb Henkes dort an den Folgen einer Typhusepidemie. Er hatte sich freiwillig als Pfleger für Kranke im sogenannten Tschechenblock gemeldet und sich dort angesteckt.

Später wurde die Urne mit seiner Asche auf dem Limburger Pallottiner-Friedhof beigesetzt und 1990 in die Bischofsgruft des Friedhofs übertragen. Der Limburger Bischof Georg Bätzing nennt Henkes einen Märtyrer der Menschlichkeit. Er habe sich der Bevormundung des Denkens und Glaubens in der Zeit des Nationalsozialismus mutig entgegengestellt. Pater Helmut Scharler, Provinzial der Pallottiner, betont: "Richard Henkes war ein charismatischer Priester, dessen Persönlichkeit im Laufe seines Dienstes gereift ist und schließlich zur Selbstlosigkeit führte." Dass sich Henkes, "das nahe Ende des Krieges und die Ansteckungsgefahr vor Augen, freiwillig mit den Kranken in Quarantäne begab, war für ihn konsequente Christusnachfolge". Henkes Eintreten für die Würde jedes Menschen sei "gerade für die heutige Zeit ein wichtiges Zeugnis", so Scharler.

Das Seligsprechungsverfahren war 2003 vom damaligen Limburger Bischof Franz Kamphaus eröffnet worden. Im Januar 2007 war die erste Etappe des Verfahrens im Bistum abgeschlossen. Die Unterlagen wurden nach Rom geschickt. In einem kirchlichen Untersuchungsverfahren sammelt zunächst das Heimatbistum Informationen über Leben und Sterben der Person. Außerdem muss der Märtyrertod sowie Tugendhaftigkeit und der "Ruf der Heiligkeit" nachgewiesen werden. Dann werden die Akten der vatikanischen Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse zugeleitet. Sie prüft die Echtheit der Dokumente und Zeugenaussagen. Papst Franziskus erkannte im Dezember 2018 an, dass Henkes als Märtyrer gestorben war, wegen "Hasses gegen den Glauben".

Der Theologe und Kirchenrechtler Peter Platen definiert den religiösen Begriff der Seligkeit als "Zustand der vollendeten Erfüllung des Menschen in allen seinen Dimensionen". In dem Festgottesdienst zur Seligsprechung am 15. September wird es zunächst biografische Angaben zu Henkes geben; dann verliest der Vertreter des Papstes das Apostolische Schreiben, mit dem der Papst Henkes den Titel und die Ehren eines Seligen zuerkennt. Mit diesem "wenig spektakulären Ritus", so Platen, werde die Seligsprechung vollzogen.

Vertreter des Papstes ist an diesem Tag der Kurienkardinal Kurt Koch. Er ist der Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen. Die Eucharistiefeier beginnt im Limburger Dom. Anschließend laden Diözese und Pallottiner zum "Pater-Richard-Henkes-Fest" in den Bischofsgarten. Den Abschluss der Feierlichkeiten bildet ein liturgisches Abendlob um 19 Uhr in der Pallottinerkirche Sankt Marien. So wird die Ortskirche in die Seligsprechung einbezogen. Bei der Heiligsprechung der Ordensgründerin Katharina Kasper (1820-1898) war das noch anders.