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Debatte um höhere Gebühren:Taxifahrer fordern mehr Geld

Die Inflationsrate, die Benzinpreise, teurere Autos: Dachaus Taxifahrer streben eine Tariferhöhung an - um bis zu zwölf Prozent.

Auf höhere Taxigebühren müssen sich über kurz oder lang offenbar nicht nur die Münchner, sondern auch die Dachauer Fahrgäste einstellen. Alexandros Brachos, Vorsitzender der Taxivereinigung Dachau, sagte der SZ, es sei "wahrscheinlich", dass man in der Großen Kreisstadt eine "faire Erhöhung" beantragen werde.

Taxifahren dürfte bald auch in Dachau teurer werden: Die Taxivereinigung will eine Erhöhung der Gebühren beantragen.

(Foto: AP)

Am 29. Juni trifft sich der Vorstand der Dachauer Taxivereinigung, am 6. Juli findet die Mitgliederversammlung mit 28 Unternehmen statt. Dann soll über ein neues Tarif-Schema beraten werden. Brachos sagte, er gehe davon aus, dass die Gebühren um etwa zehn bis zwölf Prozent steigen könnten - doch dies müsste von den zuständigen Behörden noch abgesegnet werden.

Zuvor hatten Taxivereinigungen aus München und den östlichen Landkreisen Freising und Erding, rund um den Flughafen, gemeinsam eine deutliche Erhöhung der Tarife vorgeschlagen. Grund sind die höheren Spritpreise und die allgemeine Inflation. Die Zustimmung der Landratsämter und des Münchner Kreisverwaltungsreferats (KVR) steht jedoch noch aus.

Beim Landratsamt in Dachau, wo ein Antrag der hiesigen Taxivereinigung vorgelegt werden müsste, weiß man von Brachos Vorstellungen noch nichts. Man werde den Vorschlag gegebenenfalls ausführlich prüfen; es komme darauf an, welche Argumente für einen Anstieg angeführt würden, hieß es dort. "Wir wollen zwar keine, aber wir brauchen eine", sagte Brachos zu der möglichen Steigerung. Man werde durch die höheren Preise "am Anfang vielleicht ein paar Kunden verlieren", vermutet er.

Brachos weiß, dass der Anstieg vor allem die Rentner treffen wird. Trotzdem: "Die letzte Erhöhung war vor fünf Jahren". Nach so einer Zeitspanne sei eine Erhöhung berechtigt, argumentierte Brachos. Die allgemeine Inflationsrate, die Benzinpreise und die teureren Autos würden die Taxifahrer zunehmend unter Druck setzen.

Das merke man auch an den Umsätzen: Bei Brachos Unternehmen sind es seinen Angaben zufolge im Vergleich zu den Vorjahren etwa 25 bis 30 Prozent weniger. "Bei uns wird an erster Stelle gespart", sagte auch die Dachauer Taxiunternehmerin Sabine Pachur. Immer mehr Fahrer müssten sich "den kleiner werdenden Kuchen" teilen, klagte sie.

Brachos will im Falle einer Erhöhung jedoch nicht mit der Brechstange vorgehen und warnte: "Nur net hudeln!". Er möchte die Tarife "lieber richtig" als zu schnell ändern. Die Münchner Taxibetriebe wollen hingegen versuchen, die Neuregelung schon bis zum Oktoberfest durchzubringen. Auch das KVR hofft auf einen Stadtradtsbeschluss bis zur Wiesn. Es sei aber nicht sicher, dass das klappt, sagte ein Sprecher der Verwaltung.

Auch was die Höhe des Anstiegs betrifft, ist Brachos eher vorsichtig. Die Antragsteller aus München, Freising und Erding wollen für eine normale Fahrt in der Stadt durchschnittlich zwölf Prozent mehr, fordern für Fahrten vom und zum Flughafen jedoch ein Plus von 16 Prozent. Zusätzlich sind Gebühren für Gruppen von mehr als vier Personen (bisher erst beim sechsten Passagier) sowie für die Zahlung mit EC- und Kreditkarte vorgesehen.

Brachos hält Erhöhungen von mehr als 15 Prozent für unrealistisch: "Die Leute haben doch kein Geld", sagte er. Außerdem würde ein solcher Vorschlag an der Zustimmung der Behörden scheitern. Auch die Genossenschaft Taxi München kritisierte die Forderungen ihrer Kollegen als überzogen: Sie will sich lieber an der Inflationsrate von sieben bis zehn Prozent seit der letzten Tariferhöhung orientieren.

Eine Sorge hat der Vorsitzende der Taxivereinigung Dachau im Falle einer Erhöhung: Dass es Fahrer geben wird, die Dumping-Preise anbieten. "Es ist immer das gleiche Spiel", sagte er. Weniger beunruhigt zeigte sich Brachos hingegen über den möglichen Wegfall der lukrativen Dialysefahrten, den einige Kollegen befürchten. Dieses Geschäft sei für die Taxiunternehmer bereits so gut wie weggebrochen, da die Krankenkassen die Touren mittlerweile in großer Zahl per Internet an die günstigsten Anbieter versteigern. "Wir sind an die Tarife gebunden", sagte Brachos.

© SZ vom 17.06.2010/hai
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