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Dachau:Aus dem Rampenlicht verschwunden

Einst stellte der Gras-Ski-Club Dachau einen Weltmeister. Heute feiert der Randsportverein Jubiläum.

Mit 17 hat Ralf Strefling am Münchner Olympiaberg zum ersten Mal ein Grasski-Rennen gesehen. Das war 1968, als diese Sportart gerade neu aufkam und den passionierten Skifahrer Strefling sofort begeisterte. Denn die auf den ersten Blick klobig wirkenden Grasski, die unter normale Skistiefel geschnallt werden, ermöglichen auf einem grünen Hügel Bewegungsabläufe wie beim Skifahren auf Schnee. Sofort hat der junge Sportler Grasski als ideales Trainingsgerät für den Sommer erkannt. Und weil die Dachauer Skiclubs "uns nicht so recht wollten", gründete Strefling mit einigen Mitstreitern schließlich 1972 den Gras-Ski-Club Dachau (GSC), den er seither als Vorstand leitet.

Grasski Testfahrt

Andreas Seiter im Jahr 2006 am Monte Kienader bei der Abfahrt.

(Foto: DAH)

Auch wenn heute einer breiten Öffentlichkeit das Grasski-Fahren kaum ein Begriff sein dürfte, gab es in den 1970er Jahren großes Interesse, erinnert sich Strefling, der im gleichen Jahr wie den Gras-Ski-Club auch sein Sportgeschäft gegründet hat. Auch in Dachau hat das Grasski-Fahren damals einen kleinen Boom erlebt. 50 bis 60 Aktive trafen sich auf einem akribisch gepflegten Hang in der Nähe des Monte Kienader in Bergkirchen regelmäßig zum Training. Sogar einen kleinen Lift hatte man eingerichtet, "der Hang war unser Anlaufpunkt". Nationale wie internationale Erfolge konnten die Sportler verbuchen. Gleich der erste Weltmeistertitel ging 1979 an den Wahl-Dachauer Vincent Riewe, der aus Berlin stammt, aber beim GSC Dachau trainiert hatte. Und auch mitorganisiert hatte diese WM im amerikanischen Brice Mountain Resort ein Dachauer, nämlich GSC-Vorstand Ralf Strefling.

Trotz dieser enthusiastischen Anfänge ist das Grasski-Fahren eine Randsportart geblieben. Das Interesse der Sportindustrie und damit eine technische Weiterentwicklung habe gefehlt, sinniert Strefling. Vor allem aber seien geeignete Hänge schwerer zu finden als etwa eine asphaltierte Strecke fürs Inliner fahren. Auch der GSC Dachau, der seit Mitte der 1980er Jahre keinen örtlichen Übungshang mehr nutzen kann, hat sich inzwischen auf Breitensport verlegt. Die Anfahrten zu den verbliebenen Grasski-Zentren im Sauerland oder in Nordbayern seien schlicht zu aufwendig. Aber Schneeschuhwanderungen im Landkreis, ein Skigymnastikkurs und der wöchentliche Nordic-Walking-Treff im Sommerhalbjahr halten die nach wie vor rund 50 Mitglieder zusammen, berichtet Strefling.

Ganz aufgegeben haben die Dachauer Aktiven aber auch ihr kurioses Sportgerät nie, ab und zu organisiert der Verein noch Ausflüge zum Grasski-Fahren. Ob der Klimawandel, der die schneesicheren Skigebiete in immer größere Höhen drängt, dem Grasski neuen Aufschwung geben könnte - davon ist Strefling nicht überzeugt. "Da schädigen wir lieber die Umwelt mit einer weiteren Skihalle."

In Dachau aber ist ein neuer Schub für den Grasskisport denkbar, meint Strefling, wenn jetzt mit den Rennskiläufern des TSV Eintracht Karlsfeld viele aktive Skifahrer dem Grasski-Club beitreten. Das bleibt aber Zukunftsmusik. Zunächst wird der Verein, der am heutigen Freitag offiziell sein 40-jähriges Jubiläum feiert, im Oktober wieder einmal einen Gras-Ski- Tag organisieren. Vielleicht klappt es am Monte Kienader in Bergkirchen "oder wir fahren woanders hin", meint Strefling.

© SZ vom 14.09.2012

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