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Coburger Debatte:Diese Mohren-Attacke ist traurig und absurd

"Der Mohr ist ein Zeichen für Weltoffenheit" vom 26. Juni:

Peinlicher Beifall

Das alte Nazi-Pack wird in seinen Gräbern johlen. Es hatte den "Coburger Mohr" schon einmal fast ausgerottet. Lediglich für die "Erneuerung" der städtischen Kanaldeckel haben die zwölf Nazi-Jahre nicht gereicht. Die Heiligenbilder blieben Stolpersteine für das rassistische Gesindel, das sich gern zu Marktfesten in Deutschlands erster Nazi-Stadt trifft. Sein entsprechender Alkoholkonsum entleert sich bevorzugt über den Kanaldeckeln.

Nun soll es dem armen Märtyrer erneut an den Kragen gehen, so verlangen vermeintliche "Anti-Rassistinnen" vom Stadtrat. Dabei ist der heilige Mauritius der sichtbarste Coburger Friedenszeuge. Die Stadt ehrt ihn in ihrem Wappen, die Hauptkirche St. Moriz mit ihrem Namen. Die Mauritius-"Legende" klärt mich auf: Ende des 3. Jahrhunderts brechen am Genfer See Unruhen aus. Die christliche Untergrundkirche dort breitet sich rasch aus. Die römische Militärmacht glaubt, einschreiten zu müssen. Der aus Nordägypten stammende Mauritius soll mit seiner Legion die Verweigerer des Kaiseropfers bestrafen. Doch nach geglückter Alpenüberquerung bekennt sich dieser Mauritius mit seiner Truppe selbst als Christ. Wie viele vor ihm und nach ihm wird der Offizier zum Befehlsverweigerer.

Kaiser Maximianus (240 bis 310) ordnet sogleich eine Strafexpedition an. Er lässt ein Massaker veranstalten. Mit Mauritius werden am 23. September 286 mehr als 3000 seiner neuen Freunde hingerichtet. Keiner überlebt. Aber diese Märtyrer mit Mauritius an der Spitze waren von der Wahrheit des Friedens ergriffen worden. Was für ein Wunder!

Quelle von Rassismus waren nie die Bilder dunkelhäutiger Menschen, sondern die Blindheit dafür, dass alle Menschen ziemlich offensichtlich Geschwister sind.

Karl Eberhard Sperl, Trossenfurt

"Der Schwarze von Venedig"?

Bei Shakespeare heißt die 1604 uraufgeführte Tragödie um den edlen schwarzen General "Othello - Der Mohr von Venedig".

Sollte der auch für die damalige Zeit keineswegs herabsetzende Titel nun retrospektiv zensiert werden, um einer angeblich politischen Korrektheit zu entsprechen, etwa als "Der Maure", "Der Nordafrikaner", "Der Mensch von Farbe" oder "Der Schwarze von Venedig"?

Dr. Graham Dry, München

© SZ vom 07.07.2020
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