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Befragung zum Schulklima:Von Bestnoten weit entfernt

Schulunterricht

Eine Befragung unter Münchner Schülern hat einige Probleme ans Licht gebracht.

(Foto: dpa)

Fast die Hälfte der Kinder und Jugendlichen an städtischen Schulen glaubt, dass die Lehrer sie nicht gern unterrichten. Das ist nur ein beunruhigendes Ergebnis einer aufwendigen Befragung. Die offenbart, dass in München so einiges im Argen liegt.

Ganztagsklassen sollen ein vielfältiges Angebot für Kinder und Jugendliche bieten: Lern-, Übungs- und Erholungsphasen sollen sich abwechseln, jeder Schüler soll individuell gefördert werden. So funktioniert der Unterricht bis in den Nachmittag hinein - in der Theorie jedenfalls.

Die Realität sieht, zumindest an den städtischen Realschulen und Gymnasien in München, offenbar anders aus. Ein großer Teil der Fünft- bis Zehntklässler muss nach Schulschluss daheim noch lernen oder Hausaufgaben erledigen. Während der Schulzeit bleibe zu wenig Zeit dafür. Auch der Ganztagsunterricht an sich stößt nicht gerade auf großes Interesse: In der ersten sogenannten Schulklima-Befragung, die Stadtschulrat Rainer Schweppe nun vorgelegt hat, gaben gut die Hälfte aller Schüler an, dass sie mit dem derzeitigen Angebot eher unzufrieden sind. Das ist kein gutes Ergebnis.

Eine kostspielige Analyse

Das städtische Bildungsreferat hat einen immensen Aufwand betrieben und fast 50 000 Euro dafür bezahlt, um die Stimmung unter Schülern und Lehrern an seinen Schulen zu untersuchen. Externe Mitarbeiter befragten 54 799 Schüler in etwa 2600 Klassen sowie 3030 Lehrer der stadteigenen Realschulen, Berufsschulen und Gymnasien. Auf Antrag der Grünen-Stadtratsfraktion sollten sie herausfinden, wie die Betroffenen Klassen- und Schulklima, Unterrichtsformen, Ganztagsangebot und die Zusammenarbeit mit der Schulleitung wahrnehmen. Bei allen Schularten quer durch alle Altersstufen finden sich sehr ähnliche Resultate.

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Im Bildungsausschuss des Stadtrats stellte Andreas Müller, Leiter der Qualitätsagentur im Pädagogischen Institut des Bildungsreferats, stellvertretend die Resultate bei den Realschulen vor - 20 der 23 Einrichtungen in München gehören der Stadt selbst, nur drei betreibt der Freistaat. Die Jugendlichen, so erklärte er, bewerten zwar das Verhältnis zu ihren Lehrern als überwiegend positiv. Doch finden sich in den Antworten auch beunruhigende Aspekte. So fühlt sich etwa jeder Dritte von seinen Lehrkräften nicht ausreichend respektiert. Fast 40 Prozent der Schüler kritisieren, dass sie für ihre Leistungen nicht genug Anerkennung erhalten. Ebenso viele haben den Eindruck, dass ihre Lehrer sie nur ungern unterrichten. "Wenn das dauerhaft so bleibt, wäre das ungut. Hier müssen wir dringend etwas tun", sagt CSU-Bildungsexpertin Beatrix Burkhardt.

Die Belastung wird immer größer

Großen Handlungsbedarf gibt es für die Stadt auch bei den Ganztagsklassen, die weiter ausgebaut werden sollen. Obwohl es mittlerweile differenzierte Angebote gibt, treffen diese nicht wirklich den Geschmack der Schüler. Auch die Arbeitsbelastung steigt offenbar: Trotz Unterrichts bis in den Nachmittag hinein müssen 80 Prozent der Realschüler daheim noch lernen oder Hausaufgaben erledigen. "Noch ein paar Vokabeln anzuschauen, ist ja in Ordnung. Sonst sollte der Abend und das Wochenende aber für die Freizeit bleiben", sagt SPD-Stadträtin Birgit Volk.

Bei den Lehrern herrscht im Allgemeinen eine relativ große Grundzufriedenheit. Auch wenn die Schüler ihnen Gegenteiliges unterstellen, unterrichten zwischen 90 und 92 Prozent gerne an ihrer Schule, ergab die Umfrage. Was den Pädagogen aber weniger passt, sind die Arbeitsbedingungen. Zum einen wünschen sie sich, mehr in Entscheidungen der Schulleitung eingebunden zu werden. Andererseits stellen viele von ihnen fest, dass ihre Arbeitszeiten in den vergangenen fünf Jahren enorm zugenommen haben. Vor allem die Anwesenheitszeit in der Schule sei gestiegen, sagen 80 Prozent. 75 Prozent kritisieren, dass der Arbeitsumfang mehr geworden sei.

Experten werden die Ergebnisse (hier sind sie im Internet abrufbar) nun mit den einzelnen Schulen besprechen und Zielvorgaben erarbeiten. Im Jahr 2018 soll es erneut eine Befragung geben, um zu sehen, ob sich die Situation verbessert hat. "Jede Schule soll selbst entscheiden, wie sie sich weiterentwickeln will", sagt Stadtschulrat Schweppe. Er sei überzeugt, dass an allen Einrichtungen viel bewirkt werden könne.

Weniger Dreck und bessere Technik

In der ersten Schulklima-Studie hat das Pädagogische Institut der Stadt sowohl Lehrer als auch Schüler der städtischen Realschulen, Gymnasien und Berufsschulen befragt - an den staatlichen Schulen gibt es kein solches Projekt. Einig sind sich Lehrer und Schüler, was die mangelnde Sauberkeit anbelangt. Mehr als die Hälfte aller Schüler und Lehrer monieren, dass die Schulräume zu dreckig seien. Unter versifften Toiletten leiden die Schüler allerdings häufiger: So kritisieren 83 Prozent aller Realschüler den Zustand, aber nur 35 Prozent der Lehrer. Die Pädagogen vermissen hingegen Rückzugsmöglichkeiten und Computer. Selbst wenn es PC-Arbeitsplätze an den Schulen gibt, funktionieren diese häufig nur mittelmäßig. 64 Prozent der Realschullehrer wünschen sich eine bessere Technik sowie eine schnellere Internetverbindung. An den städtischen Gymnasien und Berufsschulen sind die Ergebnisse der Befragung ähnlich. mest

© SZ vom 10.10.2014/vewo
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