Bauarbeiten der A 9 Stau und enge Fahrbahnen im Sommer

Der Flüsterasphalt ist kaputt und auch die Tragschicht darunter: Der Autobahnabschnitt zwischen Garching und Kreuz Neufahrn muss im Sommer erneuert werden. Eine der meistbefahrenen Trassen in Deutschland wird dann Bau-Leute wie Autofahrer einige Nerven kosten.

Von Marco Völklein

Die Sache wird Nerven kosten, Autofahrer wie Bau-Leute. So viel ist klar. Schließlich gehört die A 9 zwischen dem Autobahnkreuz München-Nord und dem Kreuz Neufahrn zu den meistbefahrenen Trassen in Deutschland. Im Sommer, wenn die TV-Sender Bilder vom Urlauberstau benötigen, postieren sich die Kamerateams gerne auf einer der Brücken bei Garching. Diesen Sommer werden sie dort noch mehr Blechschlangen zu filmen bekommen - denn die Autobahndirektion plant eine umfangreiche Sanierung des ohnehin schon stauträchtigen Abschnitts.

Zur Fußball-WM 2006 hatten die Ingenieure dort eine speziellen Fahrbahnbelag verlegt, der den Lärm der Autos merklich minderte. Dieser "Flüsterasphalt" ist mittlerweile so sehr beschädigt, dass eine "Radikalkur" notwendig wird, wie Johann Schmid von der Autobahndirektion sagt. Für 10,5 Millionen Euro tauschen die Ingenieure den Belag aus und erneuern auch gleich die von den vielen Lkw beschädigte Tragschicht darunter. Die neue Fahrbahn wird ähnlich viel Lärm schlucken wie die alte, versichert Schmid. Vor allem aber soll sie im Unterhalt und bei Reparaturen wesentlich besser zu handhaben sein.

Zuvor allerdings erfordert Schmids Radikalkur von den Autofahrern viel Geduld - und stellt die Planer vor Herausforderungen. Auf der Strecke sind nicht nur jeden Tag Zehntausende Pendler unterwegs, sondern gerade im Sommer auch noch zahlreiche Urlauber sowie Politiker aus dem bayerischen Landtag.

Das erhöht den Druck zusätzlich: Die Wahlwochenenden im September etwa wurden von Anfang an ausgeklammert; ebenso die Wochenenden, an denen Fußballspiele im Fröttmaninger Stadion stattfinden. Um die dennoch zu erwartenden Behinderungen zumindest etwas zu begrenzen, mussten die Planer dem Innenminister ein umfassendes Baustellenkonzept vorlegen - das der wiederum sogar dem bayerischen Kabinett und Ministerpräsident Horst Seehofer präsentierte.

So gilt nun: Gebaut wird nur an Wochenenden, jeweils von Freitagabend bis Montagfrüh, weil da weniger Pendler unterwegs sind und auch deutlich weniger schwere Lkw. Pro Bauabschnitt haben die Ingenieure zwei Wochenenden Zeit; dazu ist jeweils noch ein "Reservewochenende" eingeplant, falls etwas schief laufen sollte. An den Wochenenden wird zudem rund um die Uhr gebaut - und das mit maximalem Einsatz. Sämtliche Großfräsen und Asphaltiermaschinen, die im südbayerischen Raum zu beschaffen seien, würden dann eingesetzt, versichert Schmid. Dennoch werden Staus nicht zu verhindern sein.

Denn um möglichst großflächig arbeiten zu können, müssen die Ingenieure pro Bauabschnitt jeweils eine Seite der Autobahn komplett sperren. Der Verkehr wird dann auf die andere Seite geführt - und dort dürfte es eng werden: In Fahrtrichtung München stehen dann zwischen Neufahrn und Garching nur zwei statt vier Spuren zur Verfügung. In Gegenrichtung sind es immerhin drei statt vier.

Um massive Dauerstaus zu vermeiden, wollen Schmid und seine Leute den Verkehr weiträumig umleiten. Von Norden kommend sollen die Autofahrer möglichst über die A 92 zum Dreieck Feldmoching fahren und weiter über die A 99 zum Kreuz München-Nord. Dazu werde man "dynamische Systeme" einsetzen, die die Zahl der Autos erfasst, um die Fahrer dann mittels großer Anzeigetafeln umzuleiten. Wichtig ist dabei, dass die ihre Navigationsgeräte ignorieren, warnen die Autobahnbauer. Denn andernfalls führen die sie voraussichtlich mitten rein ins Chaos.