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Auszeichnung:Besseres Miteinander

Isabell Zacharias, Barbara Stamm und ihre Tochter Claudia Stamm (von links) haben sich besondere Verdienste in der Integration erworben.

(Foto: Stephan Rumpf)

Türkische Gemeinde in Bayern ehrt Barbara und Claudia Stamm sowie Isabell Zacharias

"Sie gehören dazu", sagt Barbara Stamm, und das ist vielleicht der wichtigste Satz des Abends. Auch wenn er eigentlich selbstverständlich sein sollte an einem Tisch mit Menschen, die das Leben dieser Stadt mitgestalten und für die München längst ihr Lebensmittelpunkt geworden ist. Doch selbstverständlich ist der Umgang zwischen Deutschen und Türken eben immer noch nicht auf allen Ebenen. An diesem Tisch aber schon: Die Türkische Gemeinde in Bayern (TGB) hat zum Empfang ins Restaurant Pageou in den Fünf Höfen geladen, um drei Politikerinnen zu ehren, die sich besondere Verdienste in der Integration erworben haben.

Barbara Stamm, das soziale Gewissen der CSU, ist eine der Geehrten. Nach 42 Jahren als Abgeordnete und zehn Jahren als Präsidentin hat sie den Bayerischen Landtag im Herbst verlassen, doch ihr soziales Engagement ist damit nicht zu Ende. Das Gemeinsame betonen, nicht das Trennende, nur das bringt eine Gesellschaft weiter, sagt sie. Ihre Tochter Claudia, die ebenfalls nicht mehr im Landtag ist, nachdem sie die Grünen verlassen und ihre "Mut"-Partei gegründet hat, ist da einmal ganz Mutters Meinung. Die Dritte im Bunde ist Isabell Zacharias von der SPD. Auch sie musste nach dem Absturz ihrer Partei bei der Bayernwahl den Landtag verlassen und will sich jetzt mehr um ihren Sohn und um das Thema Inklusion kümmern, wie sie sagt.

Martin Neumeyer (CSU), Landrat in Kelheim, hält eine kleine Laudatio auf die drei Frauen, nachdem er die Runde mit "İyi akşamlar", dem türkischen Guten Abend begrüßt hat. Der Orient-Liebhaber war mehr als 30 Mal in Istanbul, in Afghanistan, in Iran, erzählt er. Er war der erste Integrationsbeauftragte der Staatsregierung, und damals hätten Barbara Stamm und er heftigen Gegenwind aus der eigenen Partei gespürt. "Zu mir haben viele gesagt: Geh doch in die SPD."

Was in Bayern an Integration gelungen ist, dazu habe die Türkische Gemeinde entscheidend beigetragen, sagt Barbara Stamm, umrahmt von Peter Küspert, Präsident des Bayerischen Verfassungsgerichtshofs, und Bayerns Polizeichef Wilhelm Schmidbauer noch. Das hört Orhan Tinengin, seit 40 Jahren Korrespondent für türkische Medien und mit 84 Jahren noch aktiver Netzwerker, gerne. Bis heute ist Tinengin der "einzige Türkei-stämmige Träger des Bayerischen Verdienstordens", betont Vural Ünlü, der TGB-Vorsitzende. Ünlü ist Anwalt und Unternehmer, er ist in der Politik gut vernetzt. Doch der Wind sei rauer geworden, sagt er, und dass er in letzter Zeit vor allem als Erdogan-Erklärer gefragt ist, ärgert ihn. Er wünscht sich mehr Selbstverständlichkeit in den Beziehungen unter den Menschen beider Länder. Seine Vorstandskollegin Sema Berthold sagt: "Ich bin stolz, zwei Heimaten zu haben, und will nicht immer noch als Ausländerin behandelt werden." Dann kommt die Entenbrust an Linsen, und die bringt Sternekoch Ali Güngörmüş persönlich. "Ich dachte, das Thema Integration sei längst durch", sagt er leicht ironisch. In seinem Nobel-Restaurant säßen viele etablierte Türken, das sei ein gutes Zeichen. "Lasst uns viel öfter über das sprechen, was gelingt."