Arjan und Veronika Versteeg Das Geheimnis des Holzes

Veronika und Arjan Versteeg.

(Foto: Privat)

Das Holz einer Geige verrät ihr Alter. Und dieses Wissen kann Gold wert sein. "Wenn ich eine angebliche Stradivari von 1730 bekomme, deren Decke von einer Fichte stammt, die frühestens 1780 gefällt worden ist, weiß ich: Das kann keine Stradivari sein", sagt Arjan Versteeg, 45. Denn der Meister aus Cremona starb 1737. Versteeg hat sich auf Dendrochronologie spezialisiert. So heißt die Methode, das Alter von Holz zu bestimmen, indem man die Breite der Jahresringe misst und sie mit Bäumen aus einer bestimmten Klimaperiode vergleicht. Versteeg verfügt über eine große Datenbank. Vor Jahren wurde ihm eine Geige aus der Stiftung von Anne-Sophie Mutter vorgelegt. Es stellte sich heraus: "Das Holz stammt aus dem selben Baum, aus dem Stradivari seine berühmte Messias-Geige baute." Doch der Stil passte nicht zu Stradivari. Tatsächlich hat sein Zeitgenosse Pietro Giacomo Rogeri aus Brescia die Geige gebaut. Haben die beiden beim selben Holzhändler eingekauft? Möglich, sagt Versteeg. Fast 600 Stradivaris sind heute noch in Umlauf - und etwa die Hälfte davon hat Versteeg schon beurteilt.

Kaum jemand weiß mehr über die Instrumente als der Holländer aus Hohenschäftlarn. Mit seiner Frau Veronika betreibt er dort die eigene Werkstatt. Die beiden spielen auch zusammen im Orchester und machen viel Hausmusik. Kennengelernt haben sie sich, wie sollte es anders sein, in Mittenwald . Die dortige Geigenbauschule scheint nicht nur eine Kaderschmiede für Handwerker, sondern auch ein Heiratsanbahnungsinstitut zu sein. "Auch Willem Bouman in Den Haag, bei dem ich gelernt habe, hatte einst in Mittenwald seine Frau kennengelernt", erzählt Versteeg und lacht.