Apple: iPad in Deutschland:Ich bin drin - warten auf das iPad

Tumulte wegen eines elektronischen Geräts. Hunderte Münchner stehen vor dem Apple Store für das neue iPad an.

Ana Maria Michel

Freitagmorgen, München, Marienplatz: Hunderte Münchner versuchen, sich in einer riesigen Schlange einzureihen. Gibt es etwas geschenkt? Ist Louis van Gaal wieder da? Gibt es etwa Freibier?

Die Aufregung löst ein neues elektronisches Gerät aus, schwer wie eine Schiefertafel, bejubelt wie eine neue Nummer eins der Hitparade.

Dafür haben sich die ersten in der Nacht eingefunden, dort vor dem "Flagship-Store" des Konzerns Apple. Die meisten der Wartenden sind männlich. Sie wollen 499 bis 799 Euro ausgeben - für das iPad, das der US-amerikanische Computerhersteller Apple Monate nach dem US-Start nun auch in Deutschland und anderen Staaten auf den Markt bringt.

Apples neuster Streich zieht zahlreiche Technik-Fans an. Der Apple Store öffnet bereits um acht Uhr morgens, also eine Stunde vor der regulären Ladenöffnungszeit. Zuvor wurde die Front des Ladens mit schwarzen Vorhängen verhangen. Was dahinter vor sich geht, ist noch geheim. Immer mehr Leute reihen sich ein. Die Menschenmasse ist schon 100 Meter entfernt von der Mariensäule zu sehen.

"Ich will es endlich haben", sagt einer, der weiter hinten steht. Er vertreibt sich die Wartezeit mit seinem iPhone. "Immer, wenn Apple etwas Neues herausbringt, bin ich hier - das ist ein Ereignis für sich. Das war beim iPhone auch schon so."

Um die Wartenden herum schwirren Apple-Mitarbeiter, die gut an ihren blauen T-Shrits zu erkennen sind. Sie sorgen dafür, dass sich die Leute ordentlich in die Schlange einreihen. Die Lkws, die die umliegenden Geschäfte zu früher Stunde mit Waren beliefern, müssen hier durch.

Der schwarze Vorhang wird gelüftet

Plötzlich kommt ein Transporter an, der alle Blicke auf sich zieht. Zwei Paletten, deren Inhalt unter einer schwarzen Folie versteckt ist, werden durch eine Seitentüre in den Apple Store geliefert. "Sind das die iPads?", raunt es durch die Menge.

Dann beginnt die Abverkaufsshow: Der schwarze Vorhang wird gelüftet und die Ladentüre geöffnet. Es spielen sich fast tumultartige Szenen ab. Über den Köpfen der Wartenden sind Dutzende iPhones zu sehen, mit denen ihre Besitzer das Ereignis für die Ewigkeit festhalten. Die ersten iPad-Begeisterte werden in den Laden gelassen.

Einer der Ersten, der ein iPad ergattert hat, kommt aus dem Laden. Die Menge klatscht und johlt. Münchens erster iPad-Besitzer wird sofort von mehreren Kameras umringt. Er reißt die Arme in die Höhe und hält sein iPad in die Kameras. Viele, die jetzt als stolze Besitzer eines iPads aus dem Apple Store kommen, haben es eilig, zur Arbeit oder ins Bett zu kommen.

"Ich will nur noch schlafen", sagt einer. Ein anderer erzählt, dass er schon seit 5.30 Uhr hier steht. Er hat jetzt sein iPad und will gleich nach Hause, um es auszuprobieren. Dass er so lange warten musste, stört ihn nicht. Er hat die Zeit genutzt, um sich mit anderen iPad-Fans zu unterhalten - natürlich über das iPad.

Es wird von Leuten erzählt, die für das iPad sogar vor dem Laden genächtigt haben. Kein Wunder, dass ein Mann den Mund weit aufreißt und ausgiebig gähnt. Andere sind von der langen Schlange nicht besonders begeistert. "Ich muss das iPad für meinen Freund kaufen, weil er in der Arbeit ist", sagt eine Frau, die weiter hinten ansteht. Sie schätzt, dass sie mindestens noch ein oder zwei Stunden ausharren muss und ist von dieser Vorstellung nicht gerade begeistert.

Dann kommen ein paar Apple-Mitarbeiter aus dem Laden. An die Wartenden verteilen sie kostenlos Wasser und zeigen das iPad schon mal zur Ansicht herum. Bis alle Geräte an die Münchner verkauft sind, kann es schon noch ein paar Stunden dauern.

Mancher einnert sich noch an den alten Boris-Becker-Spruch für AOL: "Ich bin drin!"

© sueddeutsche.de/wib
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