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Anna Netrebko in München:Mama Anna

Anna Netrebko ist nach ihrer Babypause zum ersten Mal wieder in München. Sie spricht über ihr Leben mit Kind, zusätzliche Pfunde - und darüber, wer mit ihr im Zimmer schläft.

Sie ist wieder da: Anna Netrebko sagt "Hallo". Es ist ein Heidi-Klum-Hallo, hoch, kurz und süß. Eigentlich war "die Netrebko" nicht lange weg von der Bühne: Im September ist Baby Tiago Arua auf die Welt gekommen, schon bald nach der Geburt hatte Netrebko wieder erste Auftritte. Und in der Zwischenzeit geriet sie nicht in Vergessenheit, weil neben Gesangsleistungen auch Babys eine gute Möglichkeit sind, um im Gespräch zu bleiben.

Sah während des Foto-Shootings eher unglücklich aus: Die russische Sopranistin Anna Netrebko.

(Foto: Foto: dpa)

In München ist die Aufregung trotzdem groß, Anna Netrebko wieder in der Stadt zu haben. Jedenfalls, wenn man die Aufregung an der Zahl der Journalisten misst, die zu einer Pressekonferenz wie dieser am Dienstagmittag im Hotel Vier Jahreszeiten kommen. Am Sonntag hatte Anna Netrebko ihren ersten Münchner Auftritt nach der Babypause, sie sang "La Bohème" in der Staatsoper. Nun will sie sich den Fragen der Münchner Journalisten stellen. Man ist gespannt auf jedes Wort von ihr.

"Ein kleines Lächeln!"

Nach dem "Hallo" ist aber erst einmal Pause. Netrebko posiert für die Fotografen, offensichtlich eher widerwillig. Die russische Sopranistin ist kaum geschminkt, sie trägt ein schlammfarbenes Oberteil, darüber eine schwarze Weste, hohe Absätze. Sie lächelt kaum, blickt teilnahmslos in die Kameras.

Dem PR-Agenten reißt Netrebko wortlos die goldene Tasche wieder aus der Hand, die er ihr abnehmen will. Dann sagt sie zweimal "oh", weil noch mehr Fotografen zur Tür hereindrängen und jeder ein Foto von ihr haben möchte. Sie scheint jedoch kein gesteigertes Interesse an einem besonders schönen Bild von sich zu haben. Ihr PR-Agent sieht sich gezwungen, eine Mahnung auszusprechen: "Ein kleines Lächeln für die Fotografen!" Man würde sich eine Diva eitler vorstellen.

Dann sagt Netrebko aber schließlich doch noch etwas: "Guten Tag, mir geht es hervorragend. Schön, Sie alle zu treffen." Sie wirbt für ihr nächstes großes Konzert in München, das Klassik-Open Air auf dem Königsplatz am 10. Juli, wo sie mit Dmitri Hvorostovsky und Vaelry Gergiev singen wird. Dann dürfen Fragen gestellt werden, "keine privaten, bitte", sagt der PR-Agent.

"Tiago liebt es zu reisen"

Weil Anna Netrebko aber eben nicht nur Sängerin, sondern auch ein Star ist, hält sich keiner an die Anweisung. Und so erzählt Anna Netrebko, dass sie Mann und Kind mit nach München gebracht habe, dass Baby Tiago mit der Nanny momentan im Englischen Garten unterwegs sei und dass es meistens Spaß mache, mit der Familie durch die Welt zu jetten: "Tiago liebt es zu reisen, und er liebt Menschen." Nur wenn ihr Mann Erwin Schrott nicht mitkommen kann, dann muss sie mit Kind im Tragetuch und einem Koffer an jeder Hand über Flughäfen hetzen, da hört der Spaß dann auf.

Man spürt: Sie erzählt gerne über ihr neues Leben mit Familie. Als der PR-Agent die Fragerunde abbrechen möchte, ist sie enttäuscht: "Nein, das waren viel zu wenig Fragen!" Weiter geht's. Sie spricht als nächstes über München: "Ich liebe diese Stadt! Die Menschen hier schätzen die Musik." Sie erzählt, dass sie das bayerische Essen und vor allem halbe Enten mit Rotkraut und Knödeln liebe und dass sie kaum Fortschritte mache beim Deutschlernen.

Jemand will wissen, ob sich ihre Stimme durch die Schwangerschaft verändert hat. Sie rollt mit den Augen. "Oh ja, meine Stimme und mein Körper sind kräftiger geworden." Wenn sie nicht spricht, hält Netrebko ihren Mund immer leicht geöffnet, zwischendurch spitzt sie die Lippen. Sie wirkt affektiert, sehr sogar. Aber nicht unsympathisch. Zwischendurch winkt sie ihrem Mann Erwin Schrott, der hinten im Saal an einen Bistrotisch gelehnt steht. Und wirft ihm Kusshände zu.

Dann erzählt sie noch, dass sie sich Casting-Shows wie die, die Paul Potts zum Star gemacht hat, immer mit ihrem Mann auf Youtube ansieht und sie beide sich dabei kringelig lachen. "Ist ihr Sohn immer bei ihnen?" fragt noch jemand. "Ja, er schläft sogar in meinem Zimmer." Nächste Frage: "Und ihr Mann?" - "Der auch." Sie lacht. Freiwillig.