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Amerika-Haus:Beschwichtigung über die Hintertür

"Unser Veranstaltungsbetrieb durch einen Seiteneingang? Wie soll das gehen!" Das Bayerisch-Amerikanische Zentrum ist empört über den Rauswurf aus dem Amerika-Haus. Doch die Staatskanzlei hält an ihren Plänen fest.

Michael Tibudd

Das Bayerisch-Amerikanische Zentrum (BAZ) wehrt sich gegen den angekündigten Rauswurf aus dem Amerika-Haus am Karolinenplatz. "In München ist neben dem Amerika-Haus kein Bau vorhanden, der den Bedürfnissen der Arbeit des BAZ auch nur annähernd entspricht", heißt es in einer Erklärung der Vorstandschaft des BAZ.

Amerika-Haus in München, 2011

Begehrte Räume: Saal im Amerika-Haus am Karolinenplatz.

(Foto: Stephan Rumpf)

"Offenbar hat man bei der Entscheidung viele sachliche Gründe nicht bedacht", sagt der Geschäftsführende Direktor des BAZ, Raimund Lammersdorf. Es sei "völlig widersinnig, das Amerika-Haus in ein Bürogebäude umzuwandeln und dagegen einen anderen Verwaltungsbau in einen Veranstaltungsort". Das Gebäude der früheren Staatskanzlei, über das bereits spekuliert wurde, sei deswegen ungeeignet.

Wie berichtet, will der Freistaat Bayern als Eigentümer das Amerika-Haus in Zukunft an die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften Acatech vermieten - nach einer Sanierung des Gebäudes, die 2013 beginnen soll. "Das BAZ hätte dann sowieso ausziehen müssen", sagt eine Sprecherin der Staatskanzlei. Man bemühe sich nun eben rechtzeitig um eine Alternative - und stellt dem BAZ einen teilweisen Verbleib im Amerikahaus in Aussicht.

Nach Angaben der Sprecherin soll das BAZ den Theaterraum des Amerika-Hauses auch in Zukunft nutzen können, geplant ist offenbar ein separater Eingang für Veranstaltungen. "Unser Veranstaltungsbetrieb durch einen Seiteneingang?", fragt BAZ-Direktor Lammersdorf. "Wie soll das gehen!"

Bei dem nach heutigem Stand künftigen Mieter des Amerika-Hauses, der Acatech, ist man hingegen zufrieden ob der Aussichten, in diese Räume ziehen zu können - man sieht damit ein Versprechen der Staatsregierung eingelöst, der Akademie einen zentralen und repräsentativen Ort mit Platz für größere Veranstaltungen bereitzustellen.

Die Acatech ist dabei heute eine in der breiten Öffentlichkeit kaum bekannte Einrichtung - in Wissenschaftskreisen genießt sie allerdings erhebliches Ansehen, auch wenn ihre Gründungsgeschichte gerade einmal ins Jahr 1997 zurückreicht. Damals wurde der "Konvent für Technikwissenschaften" ins Leben gerufen, ein Netzwerk von Ingenieurswissenschaftlern mit dem Fernziel, eben für die Ingeneursdisziplinen einmal eine Rolle zu spielen, wie etwa die Bayerische Akademie der Wissenschaften das für Geistes- und Naturwissenschaften tut.

Akademien wie diese bieten keinen Lehrbetrieb, sondern leisten Grundlagenforschung, eine Mitgliedschaft gilt für Wissenschaftler als Ehre. 2008 wurde die Acatech denn auch zu einer nationalen Akademie erhoben.

Und offenbar hat die Acatech, die derzeit etwa 80 Mitarbeiter beschäftigt, hier schon einigen Erfolg gehabt: 360 Mitglieder gehören der Akademie an, dazu gehören auch 28 Professoren der Technischen Universität München; die Acatech als Ganze berät etwa die Bundesregierung zum Ausbau der Elektromobilität und ist im Gegensatz zu anderen Akademien wirtschaftsnah. Das belegt auch die Doppelspitze: Sie besteht aus dem Agrarwissenschaftler Reinhard Hüttl und Henning Kagermann - einstiger Vorstand des Software-Konzerns SAP und somit ein Mann der Wirtschaft.

© SZ vom 04.08.2011/sonn

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