Aktion:Eine Stimme für die Jugend

Lesezeit: 2 min

Aktion: Banner, wie hier am Jugendtreff Biederstein, sollen auf die Situation junger Menschen aufmerksam machen. Insgesamt sollen 200 Stück aufgehängt werden.

Banner, wie hier am Jugendtreff Biederstein, sollen auf die Situation junger Menschen aufmerksam machen. Insgesamt sollen 200 Stück aufgehängt werden.

(Foto: KJR)

200 Banner an Freizeitstätten sollen auf die Sorgen und Nöte der jungen Münchner in der Pandemie aufmerksam machen

Von Sabine Buchwald

Seitdem die Schulen geschlossen sind, dreht sich alles nur um Schule. Diesen Eindruck kann man leicht gewinnen in diesen Wochen, in denen Begriffe wie Home-Schooling, Distanzunterricht und Videokonferenz den Alltag von Kinder-und Jugendlichen bestimmen. Diese Pandemievokabeln haben sich mittlerweile allen ins Gedächtnis gebrannt. Wenn das mit dem lateinischen Grundwortschatz nur auch so wäre, mag sich mancher Schüler denken.

Was aber ist mit dem Fußballtraining, mit dem Trompetenunterricht und dem Geburtstag der besten Freundin? Fast nichts geht mehr, was früher Ausgleich zum Schulalltag schaffte. Solche Aktivitäten müssen sich seit Wochen den Corona-Regeln der Erwachsenen unterordnen. Das Leben junger Menschen ist doch eigentlich viel mehr, als Schulwissen in den Kopf zu schaufeln. Eine stadtweite Aktion will nun auf die außergewöhnliche Situation von Kindern und Jugendlichen aufmerksam machen, ihnen eine Stimme geben. Unter dem Motto "Raise your voice" sollen ihre Gedanken, ihre Sorgen und Probleme sichtbar werden.

"Ich habe kaum noch etwas anderes im Leben als Schule."

Derzeit werden 200 Banner an Münchner Freizeitstätten, an Trainingsorten von Sportvereinen und Treffpunkten von Jugendverbänden aufgehängt. Diese Banner sind einen auf zwei Meter groß, in auffälligen Farben gehalten und mit Aussagen bedruckt, die von Jugendlichen stammen. "Ich habe kaum noch etwas anderes im Leben als Schule" steht da beispielsweise zu lesen. Eine andere Äußerung lautet: "Ich habe viele Freundinnen und Freunde verloren. Mein soziales Leben ist nicht mehr vorhanden." Eine weiteres Statement macht deutlich, dass durch den Wegfall des Nebenjobs die Existenz in Gefahr ist: "Nun bin ich als 22-Jähriger verschuldet." Sechs verschiedene Textfragmente hat eine Arbeitsgruppe um Judith Greil, Vorsitzende des Kreisjugendring München-Stadt, ausgesucht und aufbereitet. Man wolle zeigen, dass auch junge Menschen auf ganz vielfältige Weise von der Pandemie betroffen sind, sagt Greil.

Die Vorlagen für die Aussagen stammen aus der Online-Jugendbefragung, die das Stadtjugendamt zusammen mit dem Aktionsbündnis "Wir sind Zukunft" konzipiert und im Herbst durchgeführt hat. Mehr als 3600 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 16 bis 24 Jahre hatten den Fragebogen ausgefüllt zurückgeschickt und zusätzlich mit eigenen Worten beschrieben, was sie während der Pandemie besonders bewegt. So sorgen sich viele, dass vielleicht ihre Lieblingsclubs den Lockdown nicht überstehen werden. Sie beklagen sich über den Leistungsdruck in der Schule und ganz allgemein über fehlende Mitsprachemöglichkeiten.

Diese fordert auch Greil für die jungen Leute. Es werde zwar in der Stadt durchaus über die Lage der Jugendlichen diskutiert, aber zu selten mit ihnen zusammen nach Lösungen gesucht. So gebe es beispielsweise immer noch kaum konkrete Ergebnisse zu dem Wunsch nach mehr Freiräumen für sie. "Wir sind nicht viel weiter als vor einem halben Jahr", sagt Greil. Doch so, wie es im vergangenen Jahr ablief, sollte es heuer nicht werden, findet sie. Man könne es nur falsch machen, wenn man nichts mache.

Immerhin sind für die kommenden Wochen nun mehrere Gesprächstermine zwischen Vertretern der Stadt und jungen Münchnerinnen und Münchnern angesetzt. Überschrieben mit der Frage "Hört ihr mich" sollen verschiedene Themen angesprochen werden. Am Dienstag, 16. Februar, 19 Uhr, findet ein erster virtueller Austausch über "Kreativität und Kultur" statt. Zugesagt haben die Stadträte Roland Hefter (SPD) und Beatrix Burkhardt (CSU), außerdem werden ein Filmemacher, eine Tänzerin und ein Theaterregisseur dabei sein. Diese Reihe soll monatlich fortgesetzt werden. Anmelden kann man sich dazu über die E-Mail der Initiatoren: sebastian.ring@jff.de, Informationen unter www.ak-kinderundjugendbeteiligung.de.

Am 23. Februar heißt es dann "Jugend trotz Corona": Ein ähnliches Format, das Jugendliche mit Politikern zusammen bringen soll. Den Link dazu gibt es unter: anmeldung@kjr-m.de.

Zur SZ-Startseite
Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB