Abriss "Niemand wird auf der Straße stehen"

Kirche will für Studentenwohnheim Johannes-Kolleg Ersatz schaffen

Von Jakob Wetzel

Im Streit um die Zukunft des internationalen Studentenwohnheims Johannes-Kolleg legt die katholische Kirche jetzt konkrete Pläne vor. Wie das Erzbistum München und Freising am Dienstag mitteilte, soll das Wohnheim an der Hiltenspergerstraße zwar abgerissen werden, langfristig aber soll kein Wohnheimplatz verloren gehen. Die Kirche habe beschlossen, zwei andere Wohnheime zu erweitern und so jeden der 112 Plätze im Johannes-Kolleg zu ersetzen. Außerdem garantiere sie allen derzeitigen Bewohnern, die weiter eine Bleibe in einem Wohnheim brauchen und sich an das Erzbistum gewandt hätten, einen neuen Platz. "Niemand wird auf der Straße stehen", sagte ein Sprecher. Und auch das internationale Konzept des Kollegs soll nicht mit dem Gebäude verschwinden, sondern an anderem Ort aufgegriffen werden.

Im Einzelnen sehen die Pläne vor, das Wohnheim Ludwigskolleg an der Guerickestraße um einen Anbau mit 62 Plätzen zu erweitern. Hier sollen verstärkt ausländische Studierende aufgenommen werden; so sollten die Voraussetzungen für einen neuen Ort der Begegnung geschaffen werden, sagte ein Sprecher. 50 weitere Plätze sollen in einem Anbau an das Albertus-Magnus-Haus an der Avenariusstraße entstehen. Am Ludwigskolleg sei geschätzt mit 15 Millionen Euro Baukosten zu rechnen. Für das Albertus-Magnus-Haus nannte die Kirche noch keine Zahl.

Die Erzdiözese hatte im April bekanntgegeben, sie werde dem Hilfswerk Missio für 8,2 Millionen Euro das Ludwigskolleg und das Johannes-Kolleg abkaufen sowie letzteres Ende September schließen und abreißen lassen; das Gebäude sei nicht wirtschaftlich zu sanieren. An seiner Stelle sollen Wohnungen entstehen. Die Bewohner des Johannes-Kollegs wehren sich seither gegen die Abrisspläne. Für eine Petition sammelten sie 7329 Unterschriften, die sie Kardinal Reinhard Marx übergeben wollen. Zudem holten sie die Stellungnahme eines Architekten ein, derzufolge das Kolleg sinnvoll zu sanieren sein soll. Doch ihre Anliegen würden nicht gehört, klagt einer ihrer Sprecher. Auch die Petition hätten sie noch nicht übergeben; sie bestehen auf einem persönlichen Termin beim Kardinal. Die Kirche weist unter anderem darauf hin, dass den Studenten seit April ein ständiger Ansprechpartner des Ordinariats zur Verfügung stehe.