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16. April 2009:Englisch für Europa

SZ-Leser schreiben über EU-Arbeitssprachen, Kreationismus und Islam, Scheinwissen auf Pseudomärkten und ein selbstbewusstes Worpswede.

"Die CSU möchte Deutsch als gleichberechtigte Arbeitssprache der EU neben Englisch und Französisch einführen ('EU soll Deutsch sprechen', vom 4./5. April). Das halte ich für kontraproduktiv. Einerseits bietet die EU ihren fast 500 Millionen Bürgern nach Art. 14, Abs. 2 des EG-Vertrages die vier Grundfreiheiten, die eine Migration innerhalb der EU erleichtern, aber andererseits gibt es Sprachbarrieren, die die soziale Integration der EU-Bürger in das Land ihrer Wahl erschweren.

Als Arbeitssprachen werden in der EU hauptsächlich Englisch und Französisch genutzt. Als Amts- und Arbeitssprachen anerkannt sind insgesamt 23 Sprachen, darunter auch Minderheitensprachen. Im Bild: das Europäische Parlament in Straßburg.

(Foto: Foto: dpa)

Es wäre wirklich an der Zeit, dass die Weltsprache Englisch als Amtssprache in allen EU-Staaten - also auch in Deutschland - eingeführt wird. Schulfächer wie Mathematik, Physik, Chemie, Geschichte, Biologie und Sport sollten auf Englisch unterrichtet werden, nur die Fremdsprachen wie Französisch, Spanisch, Latein und das Fach Religion sollten mit der deutschen Sprache verbunden werden. Natürlich muss Deutsch als Schulfach erhalten bleiben."

Maren Kotremba, München

Von Strafe und Moral

"Wenn ich die Leserbriefe zum Thema Bahn (Forum vom 11./12./13. April) betrachte, fällt auf, dass alle juristisch versierten Kommentare besagen, die Bahn habe gegen keinerlei Strafgesetze verstoßen.

Stellen wir uns mal vor, alle Privatpersonen würden ihr Handeln nur danach ausrichten, ob etwas mit Strafe bewehrt ist, es bräuchte also keinerlei Anstand und Moral in Erwägung gezogen werden. Was wären die Folgen?

Ein einfaches Beispiel. Ich bin in einem Laden, der zu wenig Kassenkräfte hat, und ärgere mich, weil ich zu lange an der Kasse warten muss. Ich könnte meinen Wagen voll machen, stehen lassen und verschwinden mit der Ausrede, dass ich zu wenig Geld habe. Das ist sicher nicht strafbar, aber der Laden hätte den Schaden, weil er die Sachen wieder zurückräumen muss. Also tut man so etwas nicht und wartet brav an der Kasse."

Rüdiger Erdmann, Oberschleißheim

Fehlerhafte Schöpfung

"An Raffinesse mangelt es den Kreationisten nicht, wenn sie gegen die Evolutionstheorie polemisieren ('Gestalten ohne Gestalten', vom 8. April). Wenn auch nicht immer leicht zu durchschauen, mangelt es ihren Thesen doch wissenschaftlicher Substanz.

Aber es geht auch gar nicht um Wissenschaft, sondern um eine religiöse Botschaft, nämlich um die Botschaft von einem weisen, allmächtigen Schöpfergott. Nun ruhte dieser Gott - wenn es ihn denn gäbe - am siebten Tag seiner Schöpfung nicht über einem perfekten Wunderwerk, sondern in dieser Natur finden sich viele Kompromisse und Konstruktionsfehler.

Als etwa die 'Krone der Schöpfung' den aufrechten Gang verpasst bekam, sind handwerkliche Fehler passiert, die uns alle quälen: eine statisch überlastete Wirbelsäule, die zwei Drittel aller Menschen schmerzt; ein von der aufrechten Lage stark gefordertes Blutkreislaufsystem, das Krampfadern oder Hämorrhoiden begünstigt.

Man sagt uns vielleicht, dies sei wegen unserer sündigen Lebensführung. Doch warum bestraft der Schöpfer mit seiner jüngsten Konstruktion, dem HI-Virus, auch noch Hunderttausende unschuldiger Kinder, die sich bei ihrer Geburt infizieren und dann jämmerlich an Aids sterben?

Und eine letzte Frage: Welche Erklärung hat der Kreationismus für das Artensterben? Fand der Schöpfer daran Spaß, mehr als 99 Prozent der Arten, die einst gelebt haben und die doch Werk dieses gütigen Schöpfers sein sollen, im Laufe der Zeiten wieder aussterben zu lassen? Wann hat schon irgendjemand auch nur eine Antwort christlicher Kreationisten auf diese Fragen vernommen?"

Dr. Alfons Hack, Grafing

Auch problematische Verse

"Gibt es nur e i n e n Islam? Natürlich nicht! Aber es gibt e i n e n Koran und e i n e n Mohammed mit seinen einmaligen Taten. Welche Richtung des Islams sollte vom Westen unterstützt werden? ('Die Welten des Islam', 8. April 2009).

Diejenige noch sehr schwache Richtung, die bereit ist, den Koran und die Taten des Propheten so zu interpretieren, dass das Ergebnis vereinbar ist mit unseren heutigen Vorstellungen von Menschenrechten und Menschenwürde.

Mohammed war auch ein Krieger und Eroberer, der Koran enthält auch problematische Verse. Ich zitiere als kleines Beispiel Sure 24, Vers 2: 'Wenn eine Frau und ein Mann Unzucht begehen, dann verabreicht jedem von ihnen hundert (Peitschen)hiebe! Und laßt euch im Hinblick darauf, daß es (bei dieser Strafverordnung) um die Religion Gottes geht, nicht von Mitleid mit ihnen erfassen, wenn (anders) ihr an Gott und den jüngsten Tag glaubt! Und bei ihrer Bestrafung soll eine Gruppe der Gläubigen (als Zeugen) anwesend sein.'

Muslime, die alle Koranverse ausnahmslos als ewiges und unveränderliches Gotteswort auffassen, sollten in einem ehrlichen und offenen Dialog auf die damit verbundene Problematik hingewiesen werden. Es sollte darauf hingearbeitet werden, dass die Zahl der aufgeklärten Muslime wächst. Aufgeklärte Muslime interpretieren Verse wie den oben zitierten als Gebote, die zwar zur Zeit Mohammeds Geltung hatten, die aber heute nicht mehr gelten dürfen."

Wolfgang Illauer, Neusäß

Scheinwissen auf Pseudomärkten

"Die Vorstellung auch in den Universitäten gäbe es eine epistemische Spekulationsblase, aus gelöst durch die Gier berühmt zu werden im Wettbewerb der Exzellenzcluster, hat seinen Reiz und erklärt die Entwicklung neuer Forschungsfelder, wo in 'Pseudomärkten' Scheinwissen produziert wird, allein deshalb, weil gleichzeitig die Heilserwartung etabliert werden konnte, auch epistemische Blasen trügen bei zur Wertschöpfung in der Wissensgesellschaft ('Unternehmen Universität - In der Bildungspolitik überlebt der Glaube an den freien Markt', 7. April 2009).

Sicher ist hierfür nicht allein die Politik verantwortlich. Die Wissenschaft selbst hat als willfähriger Gehilfe ihren Teil dazu beigetragen. 'Wissenschaftsstars' haben sich in unterschiedlichen Forschungsfeldern breit gemacht und sich der Politik als Experten angedient. Interessant wäre auch die Frage, wie die Parallele zu Politik aussieht. Gibt es auch hier im Wettbewerb um den Wähler eine Entprofessionalisierung der Politiker und ihre Umwandlung in 'rationale Opportunisten'?"

Dr. Günter Küppers, Bielefeld

Selbstbewußtes Worpswede

"Worpswede hat es nach Ihrem Bericht nicht verdient, auch weiter an den Segnungen staatlicher Künstlerförderung teilzuhaben - weil es angeblich die Zeit verschlafen hat und sich als Künstlerkolonie 'mit einer musealen, engen Welt' begnügt.

Urbanität und Inspiration seien dem 9.000-Seelen-Dorf fremd. - Es fragt sich: Kennt Herr Briegleb den Ort, über den er schreibt? Ist er vielleicht nur einer Pressemitteilung der Landesregierung aufgesessen, in der ganz gezielt eine Darstellung des Künstlerdorfes gegeben wird, die es eben rechtfertigt, mit der jahrzehntealten Tradition der Künstlerförderung in Worpswede zu brechen?

Worpswede ist keine verschlafene Provinz. Das Dorf lebt mit seinen Künstlern und liebt sie. Die Künstler sind Bestandteil der Gesellschaft und stellen gleiche Ansprüche wie sie: Sie wollen Ruhe, Begegnung, intellektuelle Anregung oder einfach Unterhaltung. Worpswede bietet viel davon - Musik, Ateliers aller Formen, Foren zur künstlerischen Selbstdarstellung, Ausstellungen in breiter Kompetenz und Kneipen zu nächtelangen Diskussionen.

Bremen mit seinem regen und hoch anspruchsvollen Kulturangebot liegt lediglich 20 km entfernt. - Entgegen Ihrem Bericht ist also Worpswede nicht langweilig: Wer es kennt, findet auch heute noch das anregende, spannungsreiche 'Weltdorf' (Mackensen), das Künstler - nicht nur Stipendiaten - inspiriert und deshalb nach wie vor in großer Zahl anzieht. Die Landesregierung selbst hat das mit ihrem "Masterplan" für Worpswede eindrucksvoll bestätigt, der in einer früheren Fassung ganz selbstverständlich auch an der Künstlerförderung festhielt.

Warum also nun doch Schluss mit der Künstlerförderung in Worpswede? Es gibt dafür weder durchgreifende Gründe aus der Struktur des Ortes noch aus wirtschaftlichen Aspekten. Ein Bruchteil der für Lüneburg vorgesehenen Investitionen könnte die 'Künstlerhäuser' in Worpswede auf weltstädtisches Niveau bringen. Tatsächlich wird eine mit viel persönlichem Engagement begründete Worpsweder Tradition kommunaler Konkurrenz geopfert. Daraus erklärt sich der erhebliche örtilche Widerstand.

Vielleicht muss die Entscheidung aus Hannover gleichwohl akzeptiert werden. Ehrlicher wäre es aber gewesen, diese Entscheidung nicht mit der behaupteten schlechten Standortnote des Künstlerdorfes zu begründen. Zur Demokratie gehört Transparenz. Es 'brodelt im Teufelsmoor', weil es bei der Anordnung der Landesregierung gerade daran gefehlt hat. Ob die Entscheidung für Lüneburg aufgrund (angeblich) besserer Standortbedingungen richtig war, kann nur die Zukunft zeigen. Worpswede bezweifelt das."

Prof. Dr. Hans Ganten, (Vorsitzender des Kulturausschusses im Rat der Gemeinde Worpswede)