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Ökostrom:Kafkaeskes Gebäude

Union und SPD haben sich auf eine Reform des Ökostrom-Gesetzes geeinigt. Doch die neuen Energien, die dieses Land braucht, entfesseln sie damit nicht.

Von Michael Bauchmüller

Zahlen können doch lügen. 46 Prozent der deutschen Elektrizität, so meldet die Stromwirtschaft, kamen im Corona-Jahr 2020 aus Wind, Sonne und Co. Das klingt nach viel und ist mehr, als viele Experten noch vor wenigen Jahren erwartet haben. Aber ein Erfolg ist es noch nicht. Die Energiewende ist in den vergangenen Jahren ins Trudeln geraten, der Zuwachs flacht ab. Wenn nichts geschieht, wird das nächste Jahrzehnt nicht die Dekade des Aufbruchs, sondern des Hinterherrennens.

In dieser Lage haben Union und SPD zumindest den Streit über eine Neufassung des Ökostrom-Gesetzes EEG beigelegt. Sie haben ein Schräubchen hier gedreht und eines dort, manche Missstände beseitigt, andere neu geschaffen. An das kafkaeske Gebäude, das dieses Gesetz mittlerweile ist, haben sie noch ein paar Zimmerchen angebaut. Die neuen Energien aber, die dieses Land braucht, entfesseln sie so nicht.

Nahezu alles, was das Klima künftig schützen soll, basiert auf Strom: batteriebetriebene Autos, Wärmepumpen, selbst jener grüne Wasserstoff, der die Industrie sauber machen soll. Der Bedarf an Ökostrom wird in den nächsten Jahren massiv wachsen. Um seinen Anteil auszubauen, wird es umso mehr Solardächer und Windräder geben müssen, auch mehr Projekte von Bürgern. Die Energiewende muss einfacher werden, damit sie gelingt.

© SZ/fzg
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