Hochwasser:Brett vor den Köpfen

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Immer noch genehmigen Behörden die Besiedlung von Hochwassergebieten, auch im Ahrtal wird darüber diskutiert. Das macht Überschwemmungen nur noch wahrscheinlicher.

Kommentar von Johanna Pfund

Verlorene Menschenleben, zerstörte Häuser und Existenzen - die Betroffenheit war groß im vergangenen Jahr, als das Ahrtal unter den Fluten versank. Schnell wurde auch Kritik am Katastrophenschutz laut: Warum nur wurde nicht früher und effizienter alarmiert? Darüber kann man diskutieren. Worüber aber nicht diskutiert werden sollte, ist über Neuansiedlungen in bekannten Überflutungsgebieten.

Es ist eine unbequeme Wahrheit, die der Präsident des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), Ralph Tiesler, jetzt ausgesprochen hat, bevor sich das Bundeskabinett damit beschäftigt: Bestimmte Flächen in Deutschland sind wegen extremer Wetterereignisse nicht mehr besiedelbar. Doch diese unwiderlegbare Erkenntnis wird nach jeder Flutkatastrophe immer wieder von Neuem aus dem Gedächtnis getilgt.

Das war so nach dem Pfingsthochwasser 1999 in Süddeutschland, nach dem Elbhochwasser 2002 (wo der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder in Gummistiefeln durch die Flutgebiete stapfte) oder dann nach dem Alpenhochwasser 2005. Nach einer Welle der Hilfsbereitschaft und dem Ruf nach Unterstützung beim Wiederaufbau geriet die Sache mit dem Wasser in Vergessenheit. Es kamen und kommen Bauanträge, Ideen, hier und da neue Siedlungsgebiete zu erschließen, gerne auch an Flussufern. Regelmäßig wiederholen die im jeweiligen Bundesland zuständigen Fachbehörden - die Wasserwirtschaft ist Sache der Länder -, dass in potenziellen Überflutungsgebieten nicht gebaut werden sollte. Ebenso regelmäßig vergessen die Genehmigungsbehörden die Hochwasserprobleme und geben lieber dem Siedlungsdruck nach.

Dabei hat auch der Städte- und Gemeindetag im Nachgang zur Flutkatastrophe 2021 konstatiert, dass bestimmte Lagen nur mit verstärktem Schutz oder gar nicht mehr bebaut werden könnten. Es wird Zeit, dies den Genehmigungsbehörden ein weiteres Mal ins Hausaufgabenheft zu schreiben. Die Jahrhundertfluten kommen häufiger.

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